Mehrwertssteuersenkung 2018 – wofür soll das gut sein?

 

Mit 1. Mai 2016 wurde in Österreich die Umsatzsteuer für Beherbergungsleistungen von 10% auf 13% angehoben. Dazu ein praktisches Beispiel:

Kostete vor dem 1.5.2016 eine Nächtigung in einem Wiener Hotel € 80,– (inkl.), also netto € 72,73, so sollten es nach dem 1.5.2016 dann exakt € 82,18 sein.

Wer die Praktiken der Wirtschaft ein wenig verfolgt konnte sich also leicht ausrechnen, dass die Tourismuswirtschaft diese geringe Erhöhung gleich einmal ordentlich aufgerundet weitergab. Die Erhöhung trug der Konsument und nicht die Gewerbetreibenden.

Ein riesen Aufschrei ging durch die Tourismuswirtschaft. Diese 3%ige Erhöhung der Umsatzsteuer gefährde das Wachstum der Branche hieß es. Wer soll das bezahlen?

Seither taumelt diese so ärmliche Branche von einer Rekordsaison zur anderen, von einem Rekordjahr zum anderen. Auch heute am 1.1.2018 lese ich in online-Nachrichten, dass „der Tourismus“ für die Wintersaison 2017/18 bereits wieder auf Rekordkurs ist.

Offensichtlich wirkt sich diese 3%ige Umsatzsteuererhöhung nicht im Geringsten auf die Reisefreudigkeit der Konsumenten aus. Diese 3% sind schon längst überall eingepreist und niemand rechnet mehr damit, dass etwas billiger würde.

Was man auch nicht vergessen darf ist, dass dieser Steuersatz im Zuge einer großen Steuerentlastung eingeführt wurde. Etwa 2,5 Milliarden Euro Steuerentlastung erhielten Arbeitnehmer (weniger Lohnsteuer) und etwa 2,5 Milliarden Euro erhielt die Wirtschaft (z.B. über geringere Lohnnebenkosten). Also hatte auch die Tourismuswirtschaft einen ordentlichen Vorteil daraus, denn diese 3%ige Umsatzsteuererhöhung ist keine Leistung, die der Betrieb aufzuwenden hat, sondern eine Steuerleistung des Konsumenten. Der Unternehmer muss diese nur an den Staat weiterleiten.

Nun tritt diese neue Regierung an und verkündet lauthals, diese im Jahr 2016 eingeführte Erhöhung rückgängig gemacht wird – um die Tourismuswirtschaft zu entlasten!

Wie bitte? Was wird geschehen?

Na ganz klar! Die Beherbergungspreise in der Tourismuswirtschaft werden die gleichen bleiben und der dadurch freiwerdende, zusätzliche Gewinn bleibt beim Unternehmer.

Das nenne ich sozial! Das nenne ich auch Klientelpolitik. Das ist Parteipolitik!

Von einer ÖVP habe ich nichts Anderes erwartet. Sie ist seit eh und je dem Unternehmertum hörig (sie hat sich ja auch aus diesem Klientel entwickelt), aber eine FPÖ, die sich als „soziale“ Heimatpartei bezeichnet, schlägt bereits in dieselbe Kerbe. Der Wolf im Schafspelz zeigt schon sein wahres Gesicht.

Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut! Nur darf man nicht vergessen, dass wir alle DIE Wirtschaft sind. Können sich die Konsumenten nichts mehr oder nur mehr weniger leisten, wird es auch den Unternehmern nicht mehr gut gehen, weil sie ihre Produkte und Waren nicht mehr in den gewünschten Mengenzahlen verkaufen können. Also: Geht’s uns Allen gut, geht’s auch den Wirtschaftstreibenden gut!

Jetzt eine Branche bevorzugt zu behandeln schafft nur weiteres Ungleichgewicht.

Unternehmen, die Milliardengewinn schreiben, betrügen die Gesellschaft! Entweder sind deren Produkte zu teuer oder sie bezahlen jenen, die die Arbeit dazu verrichten einfach zu wenig!

Und noch etwas: Nicht alles reduziert sich auf „den Arbeitsplatz“.

Ich habe keinen Unternehmer kennengelernt, der Mitarbeiter aus Nächstenliebe einstellte. Jeder Unternehmer verdient mit jedem Mitarbeiter auch für seine eigene Tasche Geld. Ist das nicht so, so handelt es sich um einen unrentablen Mitarbeiter, dessen Arbeitsplatz aufgelöst wird. Ganz einfach!

Saalfelden – Mietbeihilfe im gewerblichen Bereich

Als ich dies zum ersten Mal las, konnte ich es nicht wirklich glauben. Ich dachte, dass es eben eine (ÖVP-)politische Idee wäre, aus einem „Allgemeinsäckel“ wieder etwas herauszuziehen. Ich dachte aber auch, dass die anderen Fraktionen dem etwas entgegenzustellen hätten.

Grundsätzlich muss ich aber auch sagen, dass es für eine Ort nicht gut ist, wenn zu viele Geschäftslokale leer stehen. Das erzeugt einen negativen Folgeeffekt.

Aber hat sich schon einmal jemand jemals gefragt, WARUM diese Lokale leer stehen? Woran liegt es, dass diese nicht vermietbar sind? Woran liegt es, dass junge Gewerbetreibende sehr rasch wieder das sprichwörtliche Handtuch werfen bzw. auch werfen müssen?

Ich kann sehr viele Gründe ausmachen. Von wirklich schlechter Lage (verkehrstechnisch) bis wirklich schlechter Ausstattung, von wirklich ungünstigen Lokallgrößen aber insbesondere von wirklich zu hohen Mieten. Es gäbe noch einige mehr.

Als Außenstehender hat man wenig Verständnis, wenn man hört, dass es Lokalbesitzer gibt, die potenzielle Geschäftslokale lieber brach liegen lassen bevor sie sie zu etwas günstiger Kondition vermieten würden. Zumindest habe ich eine persönliche Erfahrung, dass ein alter Gewerbetreibender, der in Pension ging und sein Lokal weiter verpachten wollte, als jährlichen Pacht mehr verlangen wollte, als er selber in den letzten Jahren seiner Geschäftstätigkeit Gewinn erzielte.

Schon alleine diese Logik lässt mich erschauern und macht mich bezüglich dieses Themas noch sensibler.

Saalfelden ist die drittgrößte Stadt des Landes Salzburg, hat aber bei weitem nicht diese Position in puncto Kaufkraft. Saalfelden ist eine Auspendlergemeinde deren Einwohner dadurch sehr viel eigenes Geld in die Mobilität stecken müssen, um an einen Arbeitsplatz zu gelangen. Da geht viel Kaufkraft verloren.

Saalfelden hat zum Beispiel eine HTL, deren Absolventen nach dem Abschluss hochqualifiziert auf den Arbeitsmarkt drängen, aber in der eigenen Stadt kaum eine Möglichkeit auf einen der Ausbildung entsprechenden Arbeitsplatz haben.

Das wäre wohl eine der vordringlichsten Aufgaben einer Gemeinde, Anreize zu schaffen, dass sich industrielle Betriebe im Raum ansiedeln, um nicht die eigene Jugend aus der Stadt zu treiben. Da wäre ich auch der Meinung, dass die Gemeinde dafür Geld in die Hand nehmen sollte – direkt oder indirekt. Aber so „primitive“ Vereinbarungen wie: man gewährt für die ersten 10 Jahre Kommunalsteuerbefreiung und das war es, wird es nicht zu machen sein. Wohin das führt hat man im ehemaligen Ostdeutschland gesehen. Mit solchen „Zuckerln“ holte man sich Unternehmungen die dann genau diese 10 Jahre bleiben, um dann wieder Industrieruinen zurückzulassen.

Ein Zusammenhang mit der aktuellen, rechtsradikalen Stimmung in diesen Bundesländern ist eindeutig auszumachen.

Zurück zu den Geschäftslokal-Mietbeihilfen.

Also! Unsere Lokalbesitzer glauben wirklich, in einem wirtschaftlichen Umfeld zu leben, die jede Höhe einer Miete aushält. Sie sind offensichtlich alle selber wirtschaftlich so abgesichert und ausgestattet, dass sie auf Mieteinnahmen nicht angewiesen sind. Es herrscht also die Meinung vor: entweder zu meinen Bedingungen oder gar nicht!

Fast alle Lokale in der Innenstadt eignen sich aber wohl nur für Handels- oder Gastronomiebetriebe und die sind von der Kaufkraft einer Region abhängig. Zudem setzt vielen Handelsbetrieben auch noch der immer rasanter steigende Online-Handel zu, weshalb der Kuchen auch noch kleiner wird.

Für mich ergeben sich also drei Hauptgründe, weshalb immer mehr Geschäftslokale keinen Mieter mehr finden. Zu hohe Mieten, eine zu geringe Kaufkraft in der Region und das veränderte Kaufverhalten der Konsumenten sind ein Mix, dem – so scheint es – nicht zu entrinnen ist!

Oder doch?

Mit Mietbeihilfen auf Lokalmieten fördert man aber die „Falschen“. Es ist – so wie bei der unsäglichen Salzburger Wohnbauförderung (Anfang der 1990er Jahre von der ÖVP durchgesetzt) – eine Vermieter-Förderung (Wohnbauträger-Förderung). Öffentliche Gelder werden in privaten (Unternehmer-)Taschen verschwinden und den gewünschten Effekt nicht erzielen.

Es ist ein sehr einfacher Weg, aber sicher nicht der Idee entsprechend, jungen Lokalmietern ein Überleben zu sichern.

Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass alle Geschäftsideen „überlebensfähig“ sind. Es gibt auch genügend „Jungunternehmer“, die auch das sprichwörtliche Zeug nicht dazu haben, auf selbständiger Basis etwas aufzubauen.

Auch in den USA gehen und gingen viele Ideen den Bach runter. Aber da wenigstens nicht mit öffentlichen Geldern. Dort beteiligen sich so genannte Business-Angels mit Kapital an der Umsetzung von Ideen. Geht es auf, so ist man künftig an einem ertragreichen Unternehmen beteiligt und lukriert Gewinne. Geht es schief, hat man halt (privates) Geld eingesetzt und verloren.

Auch das wäre ein Ansatz für „unsere“ Vermieter.

Verlangt Miete und gebt einen Teil davon als Beteiligung an dem neuen Geschäft wieder zurück. So werdet ihr aber auch persönlich Interesse daran haben, dass euer Mieter auf Dauer sein Geschäft führen kann. Nur risikiolos kassieren zu wollen ist ein Weg, der mir beträchtlich aufstößt.

Unterstützt eure Mieter und seid deren Business-Angels; und geht nicht den umgekehrten Weg, indem ihr sie mit überhöhten Mietforderungen an die Wand stellt.

Wenn sich aber die Gemeinde schon bemüßigt fühlt, einen Beitrag leisten zu müssen (sollen), warum dann nur für einige Wenige? Ich habe kein Problem damit, wenn in der Gemeindestube Budgetmittel zu Ankurbelung der Wirtschaft locker gemacht werden. Aber dann doch nicht so punktuell und eigentlich das Pferd von hinten aufzäumend. So wie es jetzt ausschaut fördert man die Vermieter!

Saalfelden hat rund 7400 Haushalte. Was wäre, wenn Saalfelden zur Stärkung der Kaufkraft in der Stadt, jedem Haushalt einen bestimmten Betrag ‚X‘ geben würde. Zum Beispiel 10 Euro pro Haushalt würde im Jahr 74.000 Euro ausmachen. Diese in Form von Saalfelden-Gutscheinen, nur einlösbar in Saalfeldner Geschäften (Abwicklung wie Gutschein-Münzen über Stadt-Marketing).

Das wären 74.000 Euro Umsatz in Saalfelden mehr und wie man weiß, sind solche Gutscheine mit einem mehrfachen Multiplikator zu sehen. Also wahrscheinlich das Vier-, Fünf- oder Sechsfache.

Nur eine Idee! Aber damit würde man Vielen mehr helfen als nur wenigen Vermietern, die gerne überhöhte Mieten kassieren wollen.

Traue keiner Statistik …

… die du nicht selbst „gefälscht“ hast! Flapsig – aber gar nicht so falsch!

Wir erleben es fast täglich, dass irgendwelche Statistiken aus dem Hut gezaubert werden und aus welchen meist nur das Positive herausgelesen wird.

Statistik Austria! Das klingt so unparteiisch, so neutral, so selbstlos – und es ist alles Andere als das.

Statistik Austria ist zum Sprachrohr der Wirtschaft geworden. Jeder der Geld hat, kann sich hier jede Statistik „bestellen“, die seinem Vorteil nützt.

Die Bundesanstalt für Statistik Österreich ist zwar ein so genannter Staatsbetrieb, muss aber für Dienstleistungen an die Wirtschaft ihren Aufwand großteils selbst erwirtschaften. Das macht abhängig!

Jede Statistik kann die Ergebnisse liefern, die man haben möchte. Man muss sie nur mit den „richtigen“ Zahlen füttern. Da geht es gar nicht darum, dass man falsche Zahlen verwendet, es genügt auch, wenn man einige (unbequeme) weglässt oder einfach auch Äpfel mit Birnen zu vergleichen beginnt.

So auch diese Statistik über Lebenszufriedenheit, negative Entwicklung der Einkommen und Konsum. Man musste also etwas der statistischen Aussage, dass die Österreicherinnen und Österreicher immer mehr für weniger Geld arbeiten müssen, entgegenstellen. Gefunden! Eine Umfrage (was die wert sind weiß man wohl nach den US-Wahlen zu beurteilen), die aber gleichzeitig aussagt, dass die Österreicherinnen und Österreicher trotzdem relativ zufrieden sind. Ist doch schön!? Nur, dass das Eine harte Fakten (weil mit Zahlen belegbar) sind und das Andere eben nur eine Umfrage mit Hochrechnung ist.

Da wird berichtet, dass das durchschnittliche, frei verfügbare, jährliche Haushaltseinkommen in Österreich bei etwas mehr als 22.000 Euro und das der EU-Durchschnitt bei etwa 13.500 liegt. Da muss man doch den Eindruck haben, dass wir Österreicherinnen und Österreicher tatsächlich wie die Maden im Speck leben. Man hat aber bewusst die gesamte EU zum Vergleich herangezogen und nicht jene EU, die es VOR der Osterweiterung 2004 und 2007 gegeben hat.

Jedermann (-frau) weiß, dass die Einkommen in Rumänien, Bulgarien, Litauen, Estland, ja auch Polen, Tschechien, Slowakei oder Ungarn zum Teil nicht einmal ein Drittel der „westlichen“ Einkommen ausmachen und trotzdem werden sie uns vor die Nase gehalten, damit ja keine Erwartungen aufkommen.

Wem nützt das? Natürlich NUR der Heuschreckenwirtschaft – nicht zu vergleichen mit dem kleinen Tischler, Maler, Schlosser oder Gastwirt.

Das kapitalistische, sich vermeintlich selbst regulierende Wirtschaftssystem ist am Ende. Diese Wirtschaft führt sich selber in den Abgrund.

Es wird gejammert, dass der Konsum rückläufig ist und findet die Schuldigen in der Politik. Mir klingt der unglaubliche Satz des Herrn Leitl noch immer im Ohr: „Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut!“ Man kapiert immer noch nicht, dass man dem Konsumenten ausreichend „frei verfügbares“ Kapital geben muss, damit er auch entsprechend konsumieren kann.

Der Wirtschaft im Gesamten geht es gut, ja sogar sehr gut. Aber bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern kommt diese Entwicklung nicht an. Die Ertragsoptimierer gehen sogar schamlos so weit, dass sie ihre Gewinne nicht einmal mehr dort versteuern, wo sie anfallen sondern in einem Globalisierungsreigen rund um die Welt schicken.

Gleichzeitig werden aber Sozialleistungen eingefordert (Bildung, Gesundheit, Infrastruktur, ja sogar Forschung) und will für Exporte immer noch mehr Förderungen, obwohl genau dieses System weltweit wohl den größten Schaden angerichtet hat. Überbordende Exportförderungen setzen weltweit eine negative Lohnspirale in gang.

Österreichs Wirtschaft wäre dazu da, die heimische Bevölkerung sowohl mit Arbeit als auch mit Produkten zu versorgen. Auch damit lässt sich Geld verdienen – nur halt nicht so schnell (das Land ist austauschbar!).

So werden Produktionen aufgeblasen, Mengen an Produkten geschaffen, die im eigenen Land gar nicht mehr zu verkaufen sind  und auch das Ausland nicht braucht, weil es auch selber solche Produkte erzeugt. Um diese Überproduktionen aber überhaupt zu schaffen, mussten viele ausländische Arbeitskräfte ins Land geholt werden und der Politik wurde die Rute ins Fenster gestellt, viele dieser Arbeitskräfte auf die Straße zu stellen, falls es keine Fördermaßnahmen gibt.

Das nenne ich: doppelt kassieren!

Zum einen werden kaum mehr Steuern geleistet und zum anderen will man aber alles aus dem (leeren) Steuertopf.

Anstelle ehrliche Löhne zu bezahlen zwingt man Regierungen, niedere Einkommen überhaupt steuerfrei zu stellen, um wenigsten ein bisschen noch für den Konsum aufrecht zu erhalten. Diesen „Konsumzuschlag“ zu erzeugen wäre eigentlich die Aufgabe der Wirtschaft. Mehr Lohn, mehr Gehalt schaffen mehr Konsum. So einfach wäre das!

Auch das Krank- und zu Tode Jammern des Pensionssystem kommt aus der Wirtschaft. Zum einen ist es die Finanzwirtschaft, die sich ein „kapitalgedecktes“ System wünscht, weil man damit viel Geld verdienen kann, zum anderen erkennt die Wirtschaft aber auch, dass ihre nicht mehr geleisteten Steuern dem Staat fehlen, um das einst in einer sozialen Partnerschaft entwickelte System aufrecht zu erhalten.

Ich möchte heute kein steuernder Politiker sein. Man ist nur mehr eine Marionette der globalen Wirtschaft und darf das nicht einmal mehr laut sagen.

Nicht die Kosten einer immer wieder heraufbeschworenen Übersozialisierung sind unser Problem. Unsere Probleme schaffen die Heuschrecken, die Rosinenpicker und jene, die auch die Medien am Gängelband führen. Aber das ist ein anderes Thema. Nur so viel zum Nachdenken: wovon leben die Medien? Richtig! Von den Werbeeinnahmen aus der Wirtschaft. Man wird wohl nicht die Hand beißen, die einen füttert!

Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung ist riesengroße. In Ermangelung einer neutralen Berichterstattung und Analyse wird – wirtschaftsgesteuert – medial die Schuld am „aufgeblähten“ Sozialsystem festgemacht. Würde ein Blatt diese Wahrheit schreiben, wäre es bald die Werbeeinnahmen aus den Inseraten der Wirtschaft los.

So haben es auch die Rechtspopulisten leicht, auf diesen Zug aufzuspringen. Aber diese „einfachen Lösungen“ gibt es nicht. Auch die Rechten werden es sich nicht mit „der Wirtschaft“ verscherzen. Da ist es schon viel einfacher, dem schwächsten Glied der Gesellschaft die Schuld in die Schuhe zu schieben. Diese haben keine finanzstarke Lobby, die ständig in den Machtzentralen am Teppich steht und mit Druck die eigenen Vorstellungen durchzusetzen vermag.

Arm wie eine Kirchenmaus …

Immer wieder und in regelmäßigen Abständen tauchen Berichte und Artikel darüber auf, deren Inhalt es ist anzuprangern, wie ungerecht es ist, dass zuerst das eigene Vermögen zur Altersversorgung verwendet werden muss und erst in weiterer Folge der Staat einspringt.

Sozialsysteme sind und wurden geschaffen, um Betroffenen auch dann noch annehmbare Lebensumstände zu ermöglichen, auch wenn das eigene Einkommen, das eigene Vermögen nicht mehr reicht.

Spielen wir ein Beispiel durch!

Eine rüstige, aber bereits alte Person, eine Pensionistin / ein Pensionist wohnt noch in den eigenen vier Wänden. Die Pension reicht aus, um den eigenen Aufwand zu bestreiten. Zum Putzen braucht man schon jemand, vielleicht auch zum Wäsche machen, aber sonst geht es selber noch ganz gut.

Das Alter schreitet voran. Nun braucht man schon jemanden, der das Essen macht (oder bringt). Irgendwann passt es mit der eigenen Hygiene nicht mehr und man braucht weitere Hilfe. Irgendwann kommt der Punkt, an dem die monatliche Pension nicht mehr reicht.

Zum Glück gibt es noch etwas Erspartes, auf welches man zurückgreifen kann und: die Wohnung, das Haus, das Reihenhaus ist ja auch noch da! Oder doch nicht (mehr)?

Dieser Immobilienbesitz könnte ja zur eigenen Versorgung im Alter ja eingesetzt werden – wäre doch logisch?!

Da haben aber jetzt die Erben etwas dagegen, denn: wieso soll das – nicht von den Erben – mühsam Geschaffene jetzt plötzlich für den eigenen Zweck verwendet werden? Das kann es doch nicht sein, dass nichts zu erben gibt! Da soll doch der Staat, die Gesellschaft, die Allgemeinheit herhalten. Es wäre ja wohl wirklich eine Schweinerei, wenn den Erben nichts übrig bliebe! Übrigens von etwas, zu dessen Zustandekommen sie nichts oder in den wenigsten Fällen etwas beigetragen haben. Aber sie wollen erben, zu Lasten der Allgemeinheit.

Zurück zum Beispiel. Es geht zu Hause nicht mehr. Alte Menschen werden bewegungseingeschränkter, es kommen Krankheiten dazu, vielleicht auch Demenz. Die Person braucht einen Platz im Seniorenheim, im Pflegeheim. Und da ist es jetzt nicht so, dass man zuerst „arm wie eine Kirchenmaus“ sein müsste, um überhaupt aufgenommen zu werden, sondern man wird aufgenommen. Nur um die Kosten bestreiten zu können, wird zuerst auf das vorhandene Vermögen zugegriffen (schlecht für die Erben). Gibt es kein Vermögen (mehr), so springt der Staat ein und ermöglicht die erforderliche Versorgung.

Und ja! Es kann dann der Fall eintreten, dass die/der Betroffenen letztendlich am Ende der Tage „arm wie eine Kirchenmaus“ ist, aber Ihr/sein Vermögen wurde zum eigenen Wohl eingesetzt und nur weil es nicht gereicht hat, ist es der/dem zu Versorgenden nicht schlechter gegangen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass es schon die allgemeine Meinung ist, dass unser Staat, unsere Gesellschaft ein Selbstbedienungsladen ist. Es geht um Eigenverantwortung und nicht um Enteignung! Würde man anders handeln, so würde man den möglichen Erben ein Erbe zu Lasten aller anderer Österreicher verschaffen. Das würde ich als nicht gerechtfertigt, gröber ausgedrückt als Schweinerei erachten!

 

p.s.: es gibt heute schon kaum mehr jemanden mit 65 oder 70 Jahren, die/der sein Realbesitz nicht schon längst „überschrieben“ hat. Die Scherflein werden also schon beizeiten (legal) zur Seite geschafft. Nur es gibt Ausnahmefälle, und die werden dann als zutiefst unsozial plakativ angeprangert.

Politik – Es wird BRAUN werden in Österreich!

Um von einer Völkerwanderung – ein von Strache neuerdings immer wieder bemühter Vergleich – sprechen zu können, müssten (so namhafte Experten) ganz andere Wanderungsmassen unterwegs sein.

Europa (die EU) hat aktuell rd. 510 Millionen Einwohner (510.000.000).

1% dieser Bevölkerungszahl wären also rd. 5.100.000 (5,1 Millionen).

Heute sprechen wir von einigen Hunderttausend Flüchtlingen. Es könnten aber auch 2 Millionen oder sogar drei sein! Na und?

Kann man denn wirklich so naiv (um nicht zu sagen dumm) sein, dass man glauben kann, dass Zuwanderer im Promillebereich einer Gesamtbevölkerung eine Unterwanderung oder sogar Übernahme einer Gesellschaft bewirken werden?

 

Ist diesem hirnverbrannten Idioten wirklich kein Mittel zu schlecht, um Unwahres und Irreales zu verbreiten?

 

Es ist schon klar! Ein Volk hat diese Politiker, die dem eigenen Geistesniveau entsprechen! Hört man (von der Lügenpresse), dass es alleine im Bundesland Salzburg rd. 85.000 Analphabeten gibt (solche Leute, die bestenfalls noch gedruckte Überschriften, den Artikelinhalt einer Zeitung aber gar nicht mehr sinnerfassend lesen können) oder, dass die tägliche Leseleistung eines Durchschnittsösterreichers bei 7 Minuten liegt, dann kann man gut verstehen, warum Strache mit so dummen Aussagen und Argumenten punkten kann.

 

Passanten, bei einer FPÖ-Kundgebung in Wien befragt, was eigentlich die Oktoberrevolution sei antworteten unisono, dass diese jetzt im Oktober kommen werde (Gemeindewahlen in Wien). Kein einziger befragter Passant ging auf die 1848 stattgefundene Oktoberrevolution ein. Wie hätten sie auch gekonnt – sie wissen davon ja gar nicht! Und vor allem wissen sie nicht, dass diese „Revolution“ gegen die kaiserliche Armee von diesem „linken Gesindel“ ausging, gegen welches die FPÖ lautstark zu Felde zieht.

 

Wenn in Österreich aufgenomme Flüchtlinge plötzlich der Meinung sind, dass das, was Strache gegen die Ausländer täglich erfindet richtig ist und offen bekennen, dass sie diesen Rattenfänger auch wählen werden, sagt dies sehr viel über die Intelligenz eines ganzen Volkes aus.

 

Was Strache will ist offensichtlich und klar: einen Polizeistaat, in welchem nur mehr sein Wort und seine Gesinnung gilt und nur mehr seine Freunde das Sagen haben. Leider wird er sowohl bei den Wiener Wahlen aber auch bei den nächsten Bundeswahlen deutlich als „Sieger“ hervorgehen. Für Österreich wird es ein Pyrrhussieg – aber was schreibe ich da? Hat doch sowieso keiner eine Ahnung, wer König Pyrrhos war.

 

Bruno Kreisky, einst über viele Jahre Bundeskanzler der Republik Österreich, sagte einmal zu einem Journalisten: „lerne sie Geschichte, junger Mann!“

Den Österreichern müsste man lauthals entgegen rufen: Lernt aus der Geschichte eures Landes! Sicher wäre es günstig, bereits im Jahr 1927 zu beginnen. Die damals einsetzende Weltwirtschaftskrise, die den Aufstieg Hitlers begünstigte und letztendlich mit dem 3. Weltkrieg mit über 50 Millionen Toten und jahrelangem Elend danach endete, ist der eine wichtige Aspekt.

Aber wir bräuchten gar nicht so weit zurückgehen. Schon alleine die Regierungsbeteiligungen der FPÖ seit Anfang der 1990er Jahre brachte so viel Korruption ins Land, wie sie vorher in 40 Jahren nicht vorkam. Die Ära Schüssel-Grasser-Haider-Strasser und deren Umfeld beschäftigt heute noch (mehr als 10 Jahre danach) unsere Gerichte. Und wenn auch immer wieder versucht wird, das Desaster „Hypo Alpe Adria“ als Versagen des Kärntner Landtages darzustellen, war es doch Haider und damit die FPÖ, die maßgeblich und hauptverantwortlich politisch dafür geradestehen muss (müsste).

Strache erklärt gebetsmühlenartig, dass es sich um eine „andere“ FPÖ gehandelt hätte und hat dabei offensichtlich verdrängt, dass er einst Haiders Stellvertreter war. Aber scheinbar ist das auch einem guten Teil der österreichischen Bevölkerung egal.

Denken Glückssache! Und wenn Strache behauptet, dass 2+3 Sechs ergibt wird er wohl seine Gründe und damit auch recht haben!

Quo vadis, armes Österreich!

Amerika’s Besiedelung doch von Süd nach Nord?

Mit großem Interesse las ich den Bericht über neue Überlegungen, welche Genetiker bezüglich der Besiedelung des amerikanischen Doppelkontinents anstellten.

Demnach wies der Forscher David Reich (Harvard-Universität) mit Hilfe genetischer Vergleiche nach, dass es zumindest zwei Populationen gegeben haben musste von denen „die heutigen, indigenen Völker Mittel- und Südamerikas abstammen“. Eine weitere Kernaussage dieser Studie ist, dass in den Genomen von Vertretern einiger Amazonas-Völker überraschend eindeutige Übereinstimmungen mit einigen Ureinwohnern Ozeaniens gegeben sind!

Wow!

Es wäre verwunderlich, wenn man schon bereit wäre, die uralte These, dass die Hauptbesiedelung über die Bering-Straße erfolgt sei, über Bord geworfen würde. Es kann einfach nicht sein, was nicht sein darf.

Den „primitiven“ Völkern ist einfach nichts anderes zuzutrauen, als sich über eine zugefrorene Verbindung aus dem asiatischen Raum hoch im Norden, weit über dem Polarkreis, auf den Weg nach Nordamerika gemacht zu haben.

Alleine diese Überlegung bedarf größter Phantasie, denn die „Wandernden“ konnten sicherlich nicht in großen Gruppen unterwegs gewesen sein. Eine Gruppe mit Frauen, schwachen Kindern, eventuell auch Kranken ist nahezu undenkbar. Ewiges Eis! Kaum Nahrungsmittel! Keine Ahnung, wie lange eine solche Wanderung dauern könnte!

Und auch die Frage: warum sollten sie sich diese beschwerliche Wanderung antun? Waren die Lebensbedingungen im nördlichen Zentralasien so schlecht? Konnte sich diese geringe Bevölkerungszahl dort nicht ausbreiten und ernähren? Sich akzeptable Lebensbedingungen schaffen?

Ich kann diesen Schlussfolgerungen nicht so einfach das Wort reden. Wer begibt sich schon freiwillig in derart lebensbedrohlichen Gegenden?

Keine Frage! Jäger und Fischer werden schon weit herumgekommen sein. Vereinzelt wohl auch auf die „amerikanische Seite“. Aber daraus einen Besiedelungsstrom abzuleiten ist sehr einfach gedacht, ja fast schon primitiv, zudem ja auch kein Wanderungsdruck erkennbar ist. Die asiatischen Gegenden waren dünn besiedelt. Sippen oder Völker lebten nicht wirklich auf beengtem Raum. Und warum sollten sie dann auch noch ausgerechnet nach Norden ziehen. Die Lebensbedingungen wurden da rasch deutlich schlechter.

 

Aber zurück zu der neuen Studie.

Die genetischen Erkenntnisse sind kaum anzuzweifeln. Zu ausgreift ist bereits diese Technologie.

So erinnerte ich mich, dass ich einmal das Buch „ Kásskara und die sieben Welten“ von J.F. Blumrich las. Er war zu seiner Zeit ein führender NASA-Ingenieur und beschäftigte sich nicht nur mit den Legenden der HOPI-Indianer.

 

Sehr vereinfacht ausgedrückt hört man aus den Überlieferungen der Hopi-Indianer Nordamerikas, dass sie ursprünglich aus Ozeanien – also näher Australien als Südamerka – kamen. Sie erzählen, dass ihre damalige Lebenswelt dem Untergang geweiht war. Das Land (die Inseln) versank im Meer und ihre göttlichen Lehrmeister, die Kachinas, flogen auf ihren Schildern Richtung Osten, um neues Land auszuforschen. Sie stießen dabei auf den sich gerade erst aus dem Meer erhebenden, südamerikanischen Kontinent.

Die Kachinas waren den Menschen in allen Belangen überlegen. Sie waren keine „herrschenden Götter“. Sie waren Lehrmeister und  Ratgeber. Sie trachteten danach, dass ihre Schützlinge einmal Erlerntes behielten und sich weiter entwickelten.

So leiteten sie die „Clans“ dieser Bevölkerung quer über den Pazifischen Ozean. Ein wahrer Massenexodus. Aber er war wahrscheinlich in dieser Eile erforderlich, denn der Untergang der Landmassen in Ozeanien ging rasch vonstatten.

Das neue Land war aber noch nicht wirklich gut bewohnbar. Trotzdem folgte man den Kachinas in blindem Vertrauen. Das neue Land war wüst, leer und es regnete Asche vom Himmel (Vulkanismus?). Aber irgendwann brach die Sonne hervor und die neuen Bewohner nannten nun das Land Táotoóma. Auch da hatten die Kachinas bereits vorausgedacht. Man brachte Pflanzen (wahrscheinlich auch Tiere) mit und so konnte auch gleich mit dem Ackerbau und der Versorgung begonnen werden. Die Hopi berichten, dass es Mais war und diese Pflanze ist in ganz Südamerika auch heute noch allgegenwärtig.

Die Hopi und Blumrich sind sich einig: Zur Hauptstadt des Landes Táotoóma wurde Tiahuanaco. Das Zentrum um den Großen See. Noch heute steht die staunende Welt vor dessen Ruinen und hat keine Vorstellung, wie derart ausgefeilte Architektur und Steinbehandlung aus dem Nichts hier entstehen und angewandt werden konnte. Mit Hilfe dieser alten Überlieferungen der Hopi (aber auch der Quiché-Maya) hätte man aber diesen Anhaltspunkt der verständlich macht, wie aus dem Nichts eine kulturelle Höchstleistung erbracht werden konnte. Die „Auswanderer“, aber insbesondere ihre Lehrmeister hatten ja wegen der Übersiedelung nicht ihre Fähigkeiten verloren! – Und die Hopi-Überlieferung erzählt, dass die Stadt Táotoóma in nur einer Nacht von den Lehrmeistern auf den fliegenden Schilden, den Kachinas erbaut wurde.

Folgt man den Hopi-Ausführungen und auch den Schlussfolgerungen Blumrichs so musste infolge neuerlicher, geologischer Umwälzungen auch das Land um Tiahuanaco fluchtartig verlassen werden. Was muss geschehen sein, dass eine plötzliche Flut die ganze Stadt  „auf den Kopf stellte und im Boden versenkte“?

Da geschah etwas Unvorhersehbares dem auch die Kachinas nichts entgegen zu setzen hatten. War das das Ende der „Macht“ der Kachinas? War der Glaube an sie so erschüttert?

Ein Teil der Bevölkerung wird sicherlich so gedacht haben. Es gab aber weiter Clans, die dem Rat der Kachinas vertrauten. Diese machten sich auf Wanderschaft in Richtung Norden.

Dass der Zug von Süd nach Nord erfolgte ist anhand der sich nun entwickelnden (und wieder untergehenden) Kulturen mit ihren Zentren gut nachvollziehbar.

Möglich, dass die Kachinas mit dem Palátquapi der Hopi (und dem Palenque der heutigen Archäologie) einen letzten Versuch starteten, die herumziehenden Clans und Völker zu einen und wieder auf „die Reihe“ zu bringen. Im Laufe von Jahrhunderten bauten sich neue Spannungen unter den Gruppen auf – ein ewig menschliches Problem. Als auch dieser Versuch scheiterte, zogen sich die Kachinas endgültig zurück: „Dies ist des Menschen Welt, es ist seine Verantwortung und er kann seine eigenen Absichten verfolgen.“

Nach der Palenque-Periode treten die Kachinas physisch nicht mehr in Erscheinung. Sie leben aber in den Überlieferungen weiter.

Die Wanderung der Clans in Richtung Norden ging weiter. Hatten sie doch den Auftrag der Kachinas sich erst dann sesshaft zu machen, wenn sie in alle Himmelsrichtung „bis ans Ende“ gewandert waren. So konnte man sich offensichtlich den günstigsten Platz aussuchen. So wissen die Hopi auch noch, dass sie im Norden an eine Wand aus Eis gestoßen waren und von dort auch wieder südwärts zogen.

 

Die heutige Wissenschaft bestätigt nur zögerlich die Überlieferung der „Indianer“, weil man einfach an einem Kartenhaus nicht allzu heftig rütteln kann und darf.

Viele „Erkenntnisse“ der menschlichen Entwicklungsgeschichte sind dermaßen schwach untermauert oder oftmals auch gar nicht schlüssig!

Würde man den Überlieferungen der HOPI diese Bedeutung geben, die ihr eigentlich zustehen müsste, hätte man kein Problem endlich anzuerkennen, dass die Besiedelung der amerikanischen Kontinente von Süd nach Nord erfolgte. Eine flächendeckende Besiedelung über den Norden – also die Bering-Straße – ist unlogisch und einfach nicht vorstellbar und realistisch.

 

Mit der Studie des Harvard-Professors David Reich wird eine neue Türe aufgestoßen. Noch zögerlich, um vielleicht alte Wissenschaftskollegen nicht ganz vor den Kopf zu stoßen.

Aber alleine schon die Tatsache, dass es nun einen wissenschaftlichen Nachweis gibt, der die genetische Nähe zwischen Völkern Ozeaniens und Südamerikas bestätigt verstärkt die Glaubwürdigkeit der „Geschichte der HOPI“.

 

Quellen:

J.F. Blumrich; Kásskara und die sieben Welten

21.07.2015; Der Standard online

Cheops – Pharao ohne Pyramide?

war er wirklich der Erbauer der Großen Pyramide?

(1) Cheops-Statuette
(1) Cheops-Statuette

Pharao Cheops (Chufu) soll ein ägyptischer König der 4. Dynastie im „Alten Reich“ gewesen sein. Die Ägyptologen datieren seine Regierungszeit auf etwa 2620 – 2580 v. Chr. Also lediglich maximal 40 Jahre. Die Dauer der Regierungszeit variiert je nach Ausführungen gewaltig (wahrscheinlich wie man es gerade braucht oder gerne für irgend eine Argumentation hätte). So liest man auch 2650 – 2580 v. Chr. (70 Jahre) aber genauso 2579 – 2556 v. Chr. (23 Jahre). Wenn man also diese Schere von 23 bis 70 Jahre betrachtet so muss man eigentlich erkennen, dass man so gut wie gar nichts weiß. Man tut so, als wäre es nicht relevant, ob 2,3 Millionen Steinblöcke in 23 Jahren oder in 70 Jahren aufeinander geschlichtet wurden.
Diese kleine Statuette – etwa 12cm groß – soll das einzige Artefakt sein, welches diesen außergewöhnlichen Pharao darstellt. Ein Mensch, der das größte Bauwerk unserer Geschichte errichten ließ, mit einer Präzision, die uns auch heute noch Staunen abringt und in einer Geschwindigkeit, mit welcher kein Unternehmen der Moderne mithalten könnte.
Ein Mann, der Solches zustande bringt, versteckt sich nicht! Der hinterlässt Spuren, die nicht zu übersehen sind und rühmt sich in allen möglichen Facetten, welch glanzvoller, mächtiger, würdiger oder sonst etwas Herrscher und Bauherr er ist und war.
Es ist einfach nicht glaubwürdig, dass ein derartiger Bauherr und Herrscher an Hand von Fundstücken nicht besser repräsentiert ist! Keine eindeutigen Papyri, keine Statuen und Stelen mit Inschriften! Es scheint fast so, als hätte es ihn ja gar nicht gegeben, denn auf dieser kleinen Statuette – ausgestellt im Ägyptischen Museum in Kairo – steht auch nicht viel. Anscheinend konnte man neben dem rechten Knie eine Inschrift erkennen, die mit „Medjedu“ übersetzbar ist. Wenn dem so ist, so würde diese dem herkömmliche „Horusnamen“ des Cheops entsprechen und so viel bedeuten wie: „Der zerdrückt“.
Auch auf der linken Seite der Knie ist der Rest einer Kartusche erkennbar. Spezialisten glaube darin den Eigennamen „Chnum-Chufu“ zu erkennen. Aber da gehört wohl schon eine menge Phantasie dazu.

Ich bin daher fest der Überzeugung, dass die Große Pyramide am Plateau von Gizeh bereits stand, als Pharao Djoser damit begann, sie nachzuahmen. Dieser einmalige Bau war das Muster. Die Pharaonen wussten nicht, wofür sie errichtet wurde. Es muss angenommen werden, dass damals noch die Verkleidung aus hellem Tura-Kalkstein bestanden hatte und man daher auch den Eingang und das Kammernwesen im Inneren nicht kannte. Wenn man also schon glaubt, Herodot bei allen Gelegenheiten als unglaubwürdig zu erachten, dann wohl auch zurecht, dass seine „Überlieferung“, dass Cheops der Erbauer war, unrichtig ist – oder er erzählte von einem anderen Pharao gleichen oder ähnlichen Namens?!
Es gibt alte Überlieferungen die die Ansicht gestatten, die Errichtung der Großen Pyramide um viele Jahrtausende zurückzuverlegen. Sie wurde errichtet zur Bewahrung von Wissen, welches später (eventuell durch die so genannte Sintflut) verloren ging um erst wieder zu einer späteren Zeit von einer „wissenden“ Gesellschaft wieder entdeckt und erkannt zu werden!?

(2) Stufenpyramide des Djoser; Sakkara
(2) Stufenpyramide des Djoser; Sakkara

Den ersten, pyramideähnlichen Bau schreibt man dem Pharao Djoser (2720 – 2700 v. Chr.) zu. Djoser, dessen genialer Baumeister Imhotep gewesen sein soll, versuchte sich mit der so genannten Stufenpyramide in Sakkara. Die Grabanlagen der Herrschenden bis zur damaligen Zeit sollen so genannte Mastabas gewesen sein. Quasi „einstöckige“ Flachbauten, in oder unter welchen die Grabkammern ausgestaltet waren. Djoser begann, die Grundfläche einer solchen Mastaba deutlich zu vergrößern und baute in die Höhe. Es entstand dieses einmalige Bauwerk der Stufenpyramide. Eigentlich hatte man das Prinzip des Pyramidenbaues bereits erkannt, aber nur im Großen ausgeführt oder ausführen können. Ob man noch beabsichtigt hatte, dieses Bauwerk mit glatten, dreieckigen Seitenwänden zu ummanteln konnte nicht festgestellt werden. Vielleicht fehlte auch die Zeit, um dies noch zu bewerkstelligen. Es war ein erster Versuch, einer Pyramidenform nahe zu kommen!

Nach Djoser versuchten sich Pharao Sechemchet, auch Djoserteti genannt, (2700 – 2695 v. Chr.) und ein weiterer, unbekannter Pharao (eventuell Chaba) an der Errichtung einer Pyramide. Bei einer Regierungszeit von vielleicht 6 Jahren muss eigentlich zwingend angenommen werden, dass das, was Sechemchet begonnen hatte gar nicht fertiggestellt werden konnte. Die spärlichen Überreste in Sakkara deuten eher daraufhin, dass man über die erste, eventuell noch zweite Stufe nicht hinaus kam. Die Reste der Chaba-Pyramide findet man in Saujet el-Arjan und auch die klassische Ägyptologie kann kaum etwas dazu sagen. Ich würde diese beiden Pyramidenüberreste eher als „gescheiterte Versuche“ bezeichnen.

(3) Pyramidenstumpf Meidum; Snofru
(3) Pyramidenstumpf Meidum; Snofru

Einige Jahrzehnte später soll nach gängiger Pharaonenliste Snofru (2670 – 2650 v.Chr. (20 Jahre) | 2670 – 2620 v. Chr. (50 Jahre) | 2614 – 2579 v. Chr. (35 Jahre)) geherrscht haben. Eine Streuung von 20 – 50 Jahre (!). Von ihm gibt es eine mannshohe Statue im Ägyptischen Museum. Ihm verdanken wir anscheinend 3 Pyramiden und wenn man die gängige Reihenfolge der Erbauung mit Meidum, Knickpyramide (Dahschur) und Rote Pyramide (Dahschur)akzeptiert, so könnte man ohne viel Phantasie erkennen, wie „probiert“ wurde. Zunächst der Pyramidenstumpf in Meidum, der aber mit der Bauweise der Großen Pyramide in Gizeh wohl wenig bis gar nichts gemeinsam hat. Es wurde ein stufenförmiger Kern aus regelmäßig behauenen, eher kleinen Steinen geschaffen, der möglicherweise dann mit weiteren Ziegeln ummantelt wurde, um die Pyramideform zu erhalten. Das schließt man zumindest aus dem riesigen Schutthaufen, der sich rings um dieses Bauwerk erhebt. Diese angelehnten Ziegel scheinen zusammengebrochen, abgerutscht zu sein. Nur der Kern blieb erhalten. Ganz kann ich dieser Erklärung aber nicht folgen, denn die Steinwände wurden bereits so verkleidet, dass man keine Fugen mehr sah. Wozu dann noch die Ummantelung? Die ursprüngliche Höhe betrug vermutlich rd. 93 Meter.

(4) Knickpyramide; Snofru
(4) Knickpyramide; Snofru

Dieses Experiment ging also schief! Der zweite Versuch war die so genannte Knickpyramide am Plateau von Dahschur. Es wurden eindeutig schon größere, aber unregelmäßiger behauene Steine verwendet und man begann bereits vom Boden aus mit der stufenförmigen Einrückung der Steinreihen – oder doch nicht? Schaut man sich den Sockel der Pyramide an, so könnte man auch wieder zu dem Schluss kommen, dass der Kern der Pyramide einen wesentlich steileren Anstellwinkel hat als die dann angelehnte Verkleidung. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass der Knick der Pyramide von Anfang an geplant war. So wie ich das sehe, konnte man die entstehende Höhe nicht mehr bewältigen, erkannte dies und wurde dann flacher. Unter bestimmten Betrachtungswinkeln könnte man sogar den Eindruck gewinnen, dass der Neigungswinkel nicht nur einmal geändert wurde und der offensichtliche Knick keine Kante bildet, sondern eher ein gerundeter Übergang ist. Sie erreichte trotz Knick eine Höhe von rd. 104 Metern; ohne Knick wäre sie auf etwa 125 Meter gekommen. Auf jeden Fall wurde auch hier die Qualität der Großen Pyramide nicht erreicht.

(5) Rote Pyramide; Snofru
(5) Rote Pyramide; Snofru

Der nächste Schritt war die so genannte Rote Pyramide. Sie erhielt ihren Namen wegen des rötlichen Steins, welcher zur Errichtung verwendet wurde. Nach den Erkenntnissen der vorangegangenen Bauten wurde der Anstellwinkel von vorne herein niedriger angesetzt. Damit konnten die Seitenkanten und -flächen gleichmäßig geneigt nach oben gezogen werden und die erreichte Höhe von rd. 109 Metern schuf keine unüberwindlichen Hindernisse (auch auf Grund der relativ „kleinen“ Bausteine). Die Steine waren aber bei Weitem nicht so exakt behauen und nicht so exakt verlegt wie beim großen Bruder in Gizeh. Die Ummantelung mit glattem Kalkstein hat aber anscheinend schon gut funktioniert und besonders auffällig ist, dass nun auch hier ein Eingang in der Höhe einer Seitenwand und nicht von der Basis aus gelegt wurde.
Wenn man die Neigungswinkel (Anstellwinkel) vergleicht, kann man auch hier eine gewisse Chronologie herauslesen.
Die Große Pyramide in Gizeh hat einen Winkel von 51°50′. Die Knickpyramide begann mit etwa 54° und musste dann auf etwa 43° verflacht werden. Bei der Roten Pyramide begann man dann gleich mit 43° (also dem abgeflachten Maß der Knickpyramide), um zum gewünschten Ergebnis zu kommen. Für mich zeigt sich damit klar, dass man mit dem Beginn der Knickpyramide der Großen Pyramide in Gizeh nahe kommen wollte. Die Reduktion des Winkels im oberen Bereich wurde wohl aus statischen als auch errichtungstechnischen Gründen vorgenommen. Bei der Roten Pyramide wusste man dann schon, dass man mit 43° durchgängig bauen konnte. Es entstand eine optisch „perfekte“ Pyramide, aber dem großen Vorbild konnte sie trotzdem nicht das Wasser reichen!

(6) Große Pyramide; Gizeh
(6) Große Pyramide; Gizeh

Ja! Dann kam also die Zeit des Cheops. Quasi über Nacht war man nun in der Lage, eine Pyramide zu errichten, die alle Superlativen sprengte. Riesige Steinquader wurden in den Steinbrüchen von Moqatam (östlich von Kairo) herbeigeschafft. Viele mit einem Gewicht von mehreren Tonnen (von bis zu 8 Tonnen ist die Rede). Wie die Erbauer diese Mengen an Steinblöcken – schätzungsweise 2,3 Millionen – aus den Steinbrüchen in den Westen bis Gizeh transportierten (Luftlinie etwa 15 Kilometer) ist zwar ein ungelöstes Rätsel – aber sie werden es schon gemacht haben! Die Steinblöcke wurden exakt behauen, sodass die Flächen aneinander so genau zusammenpassten, dass nicht einmal mehr eine Messerspitze dazwischen Platz hatte. Die letzten Steinquader mussten in einer Höhe von rd. 150 Metern an ihren Platz gelegt werden. Wie brachte man sie dort hin, wer hob sie, wer richtete sie ein und wie machte man das? Unangenehme Fragen! Aber sie werden es schon gekonnt haben – und damit begnügt man sich, weil man sonst auch noch andere Betrachtungsweisen heranziehen müsste, die es nicht geben darf!
Es gibt aber noch sehr viele „Rätsel“, die diese Pyramide aufgibt. Ein Volk mit einer einfachen Bilderschrift. Ein Volk, welches zwar die Sonne, den Mond und die Sterne beobachten und über Jahre gewisse Regelmäßigkeiten feststellen konnte. Aber wie soll das gehen? Ein Pharao kommt an die Macht und beginnt sofort mit der Errichtung seines Mausoleums (wenn es überhaupt eines war). Da konnte nicht lange über Jahre beobachtet werden! Es musste begonnen werden, denn es wird Jahre dauern, bis es fertiggestellt ist. Und es musste fertiggestellt sein, ehe er ablebt, denn sein Nachfolger hat weder Zeit noch Muße, das Mausoleum des Vorgängers zu vervollständigen. Er hatte ja nun das gleiche Problem. Er musste so rasch als möglich mit seinem Mausoleum beginnen, denn eine Regierungszeit kann auch kurz sein!

Djedefre (auch Radjedef) – wahrscheinlich ein Sohn des Cheops – folgte seinem Vater auf dem Thron. Man weiß von ihm fast nichts, außer dass er angeblich sehr viel baute bzw. bauen ließ! Man billigt ihm etwa 10 Jahre Regierungszeit zu. Nachdem es aus meiner Sicht der klassischen Ägyptologie doch etwas „spanisch“ erscheint, dass Cheops seine Pyramide während seiner Regierungszeit fertiggestellt haben könnte, dichtet man nun seinem Sohn an, er hätte dessen Grabanlage (also die Pyramide) fertiggestellt. Auch soll die Pyramidenanlage in Abu Roasch auf sein Konto gehen. Wenn man sich diese Reste seiner Pyramide anschaut muss man sich schon fragen, ob die Ägypter von Heute auf Morgen vergessen haben, wie man eine Pyramide baut. Man erkennt bestenfalls das Fundament und es passt gar nicht zusammen, dass ein Pharao zuerst die Grabanlage seines Vorgängers (auch wenn es sein Vater war) fertigstellte und dann erst mit seiner begann. Auch er musste sich sputen. Wusste er doch nicht, wie lange er regieren bzw. leben werde.

(7) Chefren-Pyramide; Gizeh
(7) Chefren-Pyramide; Gizeh

Der nächste in der klassischen Pharaonenfolge war nun Chefren. Er war ebenfalls ein Sohn des Cheops – also der Bruder seines Vorgängers. Das passt zwar nicht in das Bild der Thronfolgen, da diese in der Regel vom Vater auf den Sohn überging. Aber Ausnahmen bestätigen die Regel und so wird dies so hingenommen. Ein „Putsch“ dürfte es wohl nicht gewesen sein. Chefren regierte angeblich von 2570 – 2530 v. Chr., also etwa 40 Jahre. Auch über seine Regierungszeit existieren nur sehr wenige Zeugnisse. Unstrittig ist aber anscheinend der Bau der Pyramide in Gizeh. Aber auch etliche, sehr gut erhaltenen Statuen seiner Person wurden gefunden.
Die Chefren-Pyramide erscheint uns als Betrachter eigentlich als die Höhere der beiden großen Pyramiden am Gizeh-Plateau. Da die Fundamente aber auf unterschiedlichem Niveau stehen, fehlen trotzdem etwa 3 Meter. Der Unterschied in der Kubatur liegt aber doch bei etwa 370.000 m3. Man könnte annehmen, dass Chefren die am Plateau schon stehende Pyramide an Höhe übertreffen wollte und wählte daher auch einen deutlich steileren Anstellwinkel (53°10′ anstatt 51°50′). Da er aber die Basislänge nur mit etwa 215m (statt 230m) wählte, blieb es doch die kleiner Pyramide.
Auffällig an der Pyramide ist aber auch, dass im obersten Bereich noch die Verkleidungssteine zu sehen sind (also nicht geplündert wurden). Bei der Großen Pyramide aber diese gänzlich fehlen. Man weiß, dass alte Bauwerke oft als „Steinbruch“ Verwendung fanden. Aber dass man bei der Chefren-Pyramide nicht alle Steine „brauchte“, bei der Großen Pyramide aber schon, ist auch verwunderlich.

(8) Mykerinos-Pyramide; Gizeh
(8) Mykerinos-Pyramide; Gizeh

Mykerinos (Menkaure) folgte dem Chefren. Ob er tatsächlich ein Sohn dessen war, ist fraglich, nicht nachweisbar und daher auch ein wenig umstritten. Auch über seine Person und Regierungszeit sind kaum Zeugnisse vorhanden. Er hat aber während seiner Regierungszeit von 2530 – 2510 v. Chr. die kleine Pyramide am Gizeh-Plateau errichtet. Mit 65 Metern Höhe erreichte sie nicht einmal die Hälfte der Vorgängerpyramide. Warum seine Pyramide so klein ausfiel ist auch schwer zu begründen. Kaum anzunehmen, dass dieser Pharao plötzlich um so viel bescheidener war als seine Vorgänger. Wenn es sich um Grabstätten gehandelt haben sollte, die auch einen entsprechenden Schutz benötigten, dann hätte wohl die Steinmasse darüber nicht groß genug sein können. Tatsache ist, dass man einen Sarkophag in der Kammer des Inneren fand und diesen nach England verschiffen wollte. Leider sank dieses Schiff in einem Sturm und die Beute kam nie an. (Grundsätzlich muss gesagt werden, dass anfänglich das Graben nach Beute wesentlich vordergründig war als die Erforschung einer alten Geschichte und Chronologie).

(9) Userkaf-Pyramide; Sakkara
(9) Userkaf-Pyramide; Sakkara

Mit der Qualität der Pyramiden ging es nun rapide abwärts!
Schon der nächste Pharao – Schepseskaf (2510 – 2500 v. Chr.) – errichtete „nur“ mehr eine so genannte Mastaba in Sakkara. Auffällig dabei, dass er mit seinem Bau wieder dorthin zurückkehrte, wo das Pyramidenbauen begonnen haben soll. Userkaf (2500 – 2490 v. Chr.) baute zwar wieder eine Pyramide, aber was davon noch vorhanden ist kann nicht einmal ansatzweise mit den Bauten auf dem Gizeh-Plateau verglichen werden. Man könnte meinen, dass man keine Ahnung mehr hatte, wie man eine Pyramide stabil errichtet.
Das Pyramidenwerk des Sahure (2490 – 2475 v. Chr) in Abusir (zwischen Gizeh und Sakkara) schaut nicht viel besser aus und der nächste Pharao – Neferirkare (2475 – 2465 v. Chr) – baute eine Pyramide, die wieder sehr der Stufenpyramide des Djoser ähnelt, nur dass man sie mit Schutt überzog.

Für mich stellt diese Chronologie sehr augenscheinlich dar, dass mit dem Fortgang der Zeit das Wissen und die handwerkliche Fähigkeit verloren ging, wie man „echte“, stabile Pyramiden baut. Es ist auch auffällig, dass die best erhaltendsten Pyramiden die ältesten und vor allem schon während der 3. und 4. Dynastie entstanden sind. Keine nachher gebaute Pyramide kam nur annähernd an das Vorbild (die Vorbilder) heran. Es stellt sich überhaupt die Frage, ob die Große Pyramide in Gizeh wirklich in dieser offiziellen Reihenfolge der Ägyptologen errichtet wurde. Sie stellt einfach ein unglaublich perfektes Bauwerk dar, welches auch äußerlich große Unterschiede zu den anderen Pyramiden erkennen lässt und in diese Entwicklungschronologie gar nicht hineinpasst.
Ich bin davon überzeugt, dass die Große Pyramide, so wie es in alten Überlieferung zu lesen ist (z. B. bei Abu al-Hasan Ali ibn al-Husain al-Mas udi, einem arabischen Philosophen und Historiker) , weit vor den „gängigen“ Pharaonen errichtet wurde. Vor den menschlichen Pharaonen herrschten Götter über das Land und ich kann es mir nicht anders vorstellen, als dass dieses Weltwunder aus dieser Zeit der göttlichen Herrscher und Lehrmeister stammt.
Bei keiner der Pyramiden wurden nur annähernd solch massige Steine verwendet wie bei der Großen Pyramide. Es frappiert mich wenn ich auf Wikipedia lese, dass für die Erbauung „örtlich vorkommender Kalkstein“ verwendet wurde. Es ist nachgewiesen, dass die riesigen Quader aus den Steinbrüchen des Moqatam-Gebirges herbeigeschafft wurden – und diese Berge liegen etwa 15km entfernt. Aus heutiger Sicht und mit unseren Verkehrsmitteln mag das schon „örtlich vorkommend“ sein, aber für ein Volk, welches diese tonnenschweren Blöcke über Sumpf und Wasser zu transportieren hatte, war es wohl eine Herausforderung, vor der heutzutage wohl jeder kapitulieren würde, ja müsste.

Obwohl man Herodot eigentlich von allen Seiten her nur bekritelt, wird seine Aussage über den Erbauer der Großen Pyramide als bare Münze genommen. Da liest man, dass er möglicherweise ja gar nicht selber in Ägypten war und sich nur auf andere Erzählungen stützte. Da liest man, dass er der ägyptischen Sprache ja nicht mächtig war und die Priester möglicherweise falsch verstanden hätte u.s.w., aber über seine Aussage, dass ein Pharao mit Namen Cheops die Große Pyramide am Plateau von Gizeh errichtet hat gibt es nicht den geringsten Zweifel. Dabei ist dieses Bauwerk so anonym wie kein anderes. Die in den Entlastungskammern plötzlich und überraschend „gefundenen“ Hieroglyphen – noch dazu eine unversehrte Kartusche des Chufu – sind aus meiner Sicht genauso wenig glaubwürdig wie man auch Herodots sonstige Angaben als wenig glaubwürdig anerkennt.
Als der der britische Diplomat Nathaniel Davison 1765 die unterste Entlastungskammer entdeckte gab es keinen öffentlichen Druck, etwas Außergewöhnliches entdecken zu müssen. Man begnügte sich mit der „profanen Entdeckung“ der Tatsache, dass über der so genannten Grabkammer eine Entlastungskammer errichtet wurde. Das war schon Entdeckung genug. Keine Niveaulinie, kein nur so geringer Ansatz von etwas Geschriebenem war zu finden. Die Wände waren und sind leer.
1837 stand der britische Oberst Howard Vyse unter gehörigem Erfolgszwang. Drohte seine Expedition eigentlich ein Flopp zu werden. Monatelang hatte er gesucht und „geforscht“! Nichts! Im letzten Augenblick sprengte er sich mit Schießpulver ins Rampenlicht. Mit Brachialgewalt drang er in die vier weiteren, oberen Entlastungskammern ein und damit wurde er zum „Retter der Ägyptologie“. Plötzlich tauchten an den Wänden dieser Entlastungskammern Zeichen auf, die eindeutig als Hieroglyphen zu entziffern waren und – oh Wunder – sogar diese unversehrte Chufu-Kartusche beinhaltete.
Es gab und gibt zwar immer wieder Gerüchte über Fälschungen, aber die wurden seitens der etablierten Ägyptologie massiv bekämpft. Kann und konnte man doch nicht zulassen, dass dieser „Beweis“ womöglich doch keiner wäre.
Es scheint auch niemanden aufzuregen, dass die „gefundenen“ Schriften in den Kammern allesamt auf dem Kopf stehen! Was müssen die Erbauer für Vögel gewesen sein!?
Aufforderungen, die Farbe der maßgeblichen Kartusche, mit welcher diese aufgetragen wurde, einer Analyse zu unterziehen, um das Alter festzustellen, werden geflissentlich überhört und übergangen. Sieht man Bilder von dieser Kartusche so hat man den Eindruck, dass die Farbe relativ „frisch“ ist. Ist sie es wirklich? – Das wäre für die etablierte Ägyptologie möglicherweise ein Dolchstoß ins Herz. Das ganze Kartenhaus würde in sich zusammenbrechen!

Auch gibt es einen Papyrus, der über einen Pharao Cheops berichtet, aber ob jener Pharao Cheops, der im Papyrus Westcar (aufbewahrt im Berliner Ägyptischen Museum) als sehr religiös, liebevoll und einfühlsam dargestellt wird, auch der Erbauer der Großen Pyramide ist, muss eigentlich sehr angezweifelt werden. In diesem Papyrus gibt es kein Sterbesnswörtchen über Pyramiden, schon gar nicht über Großtaten dieses Pharao.

Bildernachweis:
(1) – Statuette des Cheops; Guntram Hufler (1992 – digitalisiertes DIA)
(2) – Djoser-Pyramide in Sakkara; Guntram Hufler (1992 – digitalisiertes DIA)
(3) – Pyramidenstumpf des Snofru in Meidum; Guntram Hufler (1996 – digitalisiertes DIA)
(4) – Knickpyramide des Snofru in Dahschur; Olaf Tausch (2014 – Digitalbild aus Wikipedia)
(5) – Rote Pyramide des Snofru in Dahschur; Olaf Tausch (2014 – Digitalbild aus Wikipedia)
(6) – Große Pyramide in Gizeh; Guntram Hufler (2007 – Digitalbild)
(7) – Chefren-Pyramide in Gizeh; Guntram Hufler (1996 – digitalisiertes DIA)
(8) – Mykerinos-Pyramide in Gizeh; Guntram Hufler (1992 – digitalisiertes DIA)
(9) – Pyramide des Userkaf in Sakkara; Sebi. (2005 – Digitalbild aus Wikipedia)

 

2013; Kroatien – Trogir, Split und Dubrovnik

Die Adria-Küste Kroatiens ist landschaftlich wohl eine der interessantesten Regionen des Mitelmeerraumes. Das Velebit Karstgebirge reicht ganz an die Küste, wodurch wunderbare Buchten entstanden sind und auch die vorgelagerten Inseln ihren Ursprung haben.

Das Land ist sehr trocken, da das Kalk-Karst-Gestein die Niederschläge regelrecht „schluckt“. Die starke Zerklüftung des Kalksteines, die Dolinen, die vielen Höhlen sind der Grund. So bleibt von den winterlichen Regenfällen nicht allzu viel übrig.
Vor etlichen Jahrhunderten musste sich dieser Küstenstreifen aber als Dorado der Fischerei präsentiert haben. Dass Wasser war sauber und klar und in der Unterwasserwelt tummelten sich riesige Fischschwärme.
Die Wertigkeit der Fischerei ist im letzten Jahrhundert dem Tourismus gewichen. Es konnte dadurch sicherlich mehr allgemeiner Wohlstand erzielt werden. Das ist kein Vorwurf. Denn jeder will ein leichteres, sorgenfreieres Leben führen können und so ist es leider nur allzu verständlich, dass im Sinne des „Fortschrittes“ Landschaft und Natur den Preis bezahlen durften – wie überall!

Blick vom Velebitgebirge auf Adria und Insel Pag
Blick vom Velebitgebirge auf Adria und Insel Pag

Schon zu Zeiten der Griechen und später der Römer war die dalmatinische Küste sehr beliebt. Durch die vielen Buchten ergaben sich auch natürliche, strategisch günstig gelegene Hafenbecken und wohlhabende Römer zog es über die Adria um im angenehmen Klima die Sommer zu verbringen. Meist weht vom Gebirge aus dem Osten ein leichter Wind, der Abkühlung verschaffte. Natürlich kann es aber auch ganz anders sein. Wenn die Bora, der Fallwind aus den Bergen, einsetzt, kann das tagelang dauern und die Windböen können äußerst heftig und unangenehm ausfallen.
Aber auch die vorgelagerten Inseln verschafften Sicherheit. Sicherheit vor übermäßigen Wellen und Beschädigungen der Uferlinien. Aber auch Sicherheit vor unliebsamen Besuchern, die schon abgefangen werden konnten, ehe sie überhaupt eine der Hafenstädte erreichten.
Die wohl bedeutendsten Städte dieser Zeit waren Trogir und Split, aber auch weiter südlich noch Dubrovnik, das einstige Ragusa.

Trogir

Trogir
Trogir

Die Gründung der Stadt dürfte bereits durch die Griechen im 2. vorchristlichen Jahrhundert erfolgt sein. Eine kleine Insel, die zwischen dem Festland und einer etwas größeren Insel liegt und die vom Festland nur über eine Brücke erreicht werden konnte. Sie ist ringsum mit einer Stadtmauer befestigt worden. Heute breitet sich die Stadt weit auf das Festland, aber auch auf die größere, benachbarte Insel Ciovo aus und zählt (2015) knapp 14000 Einwohner. Der kleine Stadtkern präsentiert sich dem Besucher als „einziges Museum“. Nachdem unter römischer Herrschaft die Bedeutung der Stadt deutlich abnahm (dafür stieg das benachbarte Split auf) setzte erst im 10. Jhdt. n. Chr. im Zuge der Slawisierung ein neuer Aufstieg durch die Seefahrt ein. Mit den Einfällen der Türken (15. Jhdt.) endete auch schon wieder die wirtschaftliche und kulturelle Hochzeit. Die damaligen, venezianischen Herren mussten sich verstärkt auf den Ausbau von Befestigungsanlagen konzentrieren. Von der Herrschaft der Habsburger (ab etwa 1800 n.Chr.) ist in diesem beschaulichen Städtchen kaum etwas zu entdecken.

Stadtwappen von Trogir
Stadtwappen von Trogir

Über dem Eingang des mehrgeschoßigen Rathauses (ursprünglich ein Palast) prangt das Stadtwappen in weißem Marmor. Es zeigt eine befestigte Stadt am Wasser (oder über dem Wasser schwimmend) sowie den Glockenturm der Kathedrale. Die Person im Eingangstor dürfte die Darstellung eines Bischofs sein. Man erkennt die Bischofsmütze und den Bischofsstab.

Befestigungsanlage Kamerlengo
Befestigungsanlage Kamerlengo

Ganz im Westen der Altstadtinsel befinden sich die Rest der Befestigungsanlage Kamerlengo, die im 15. Jahrhundert n. Chr. durch die venezianischen Herren errichtet wurde und deren Soldaten untergebracht waren. Heute kann man gegen Gebühr die alten Gemäuer betreten und auch den Turm besteigen. Es bietet sich ein schöner Ausblick auf die Wasserstraßen zwischen den Inseln und weiter in Richtung West zur Marina – dem Yachthafen.

Der Kirchturm des Klosters St. Nikolaus ist ein ebenso lohnendes Fotomotiv wie auch der alte Uhrturm (die Uhr ist auf der Seite zum zentrale Platz). Im Zentrum des altstädtischen Ensembles steht die Kathedrale Sveti Lovro, die zwischen 1123 und 1598 n. Chr. errichtet wurde. Ein sehr schön gestaltete, romanisches Portal führt in das Innere der Kirche (gegen Gebühr).

Die Loggia wurde etwa um 1500 n. Chr. errichtet und wurde vorwiegend als Gerichtsstätte verwendet. Wahrscheinlich standen die Richter auf diesem Balkon, führten von dort aus die Prozesse und verkündeten die Urteile. Die vielen Kirchtürme prägen das Bild!

Trogir - vom Schiff aus
Trogir – vom Schiff aus

Split

mit dem Schiff nach Split
mit dem Schiff nach Split

Split ist die zweitgrößte Stadt Kroatiens und hat derzeit (2014) rd. 180000 Einwohner. Die Stadt zeigt viele Gesichter und nicht von allen Seiten kann diese Hafenstadt als „schön“ bezeichnet werden. Vor allem die Industriegebiete sind hässlich und deren Anblick auf der Fahrt weiter in den Süden unausweichlich.

verzweifelter Blick in die Motorkiste
verzweifelter Blick in die Motorkiste

Das schönste Gesicht zeigt Split aber, wenn man sich von der Meerseite her auf sie zubewegt. Ds war für uns relativ einfach, denn wir buchten eine Überfahrt von Trogir nach Split. Leider gab bei dem ohnehin schon kleinen Boot der Motor den Geist auf und wir trieben gut 1 Stunde vor der Insel Ciovo, ehe wir abgeschleppt und dann in ein anderes, noch kleineres Boot umsteigen konnten. Dass diese Nussschale für diese Überfahrt eigentlich nicht geeignet war, bemerkten wir dann erst bei der Rückfahrt, als heftiger Wind das Meer aufwühlte und wir gegen die Wellen kaum mehr ankamen. Die Rückfahrt (ohne Defekt) dauerte sodann ebenso lang wie die Hinfahrt und wir bekamen so manchen Gischtschwall ab.

Aber zurück zu Split. Nach den Griechen siedelten sich ab etwa dem 1. Jahrhundert v. Chr. die Römer an und als dann im 3. Jahrhundert der römische Kaiser Diokletian hier seinen Sommerpalast errichten ließ, begann ein bedeutender Aufschwung. Das Römische Reich verging und auch so verging der Glanz der Stadt. Ähnlich wie Trogir verlor auch Split mit dem venezianischen Einfluss an Bedeutung auch wenn feststeht, dass im Hinterland von Split die Gründung des Kroatischen Staates erfolgte. Auch die Zugehörigkeit zum Habsburgerreich brachte keine verstärktere politische Bedeutung auch wenn Split immer über einen größeren Überseehafen verfügte. Im 2. Weltkrieg war Split eine Hochburg der Partisanenbewegung.

Altstadt von Split; Reste des Diokletian-Palastes
Altstadt von Split; Reste des Diokletian-Palastes

Die Altstadt wird von den „Resten“ des Diokletian-Palastes geprägt. Dieses Bauwerk hatte eins Ausmaße von etwa 180 x 220 Meter, also weit über 35000m2. Teile der Umfassungsmauern sind noch erhalten. Auch wenn die gesamte Altstadt etwa doppelt so groß ist wie der Palast, konzentrieren sich die Sehenswürdigkeiten doch stark innerhalb der alten Palastmauern.
Das „Zentrum“ bildet die Kathedrale Sveti Duje (Dominikuskathedrale) die auch einst das Mausoleum des Kaisers beherbergte. Im Inneren herrscht eine prächtige Mischung verschiedener Stile. Der Sarkophag und der Altar des Hl. Domnius, dem Namensgeber der Kirche, ist prächtig ausgeschmückt und auch bemalt. Ein weiterer Baldachin-Altar ist dem Hl. Anastasius geweiht.
Die Domtür ist aus massivem Nussholz und mit feinen ziselierten Ornamenten und Szenen aus dem Leben Christi geschmückt.

Dubrovnik

Dubrovnik - befestigter Hafen
Dubrovnik – befestigter Hafen

Die ersten Siedlungen in dieser Region gehen auf vorchristliche Zeit zurück, aber erst etwa im 7. Jahrhundert n.Chr. entstand eine unabhängige „Stadtrepublik“ aus den beiden Dörfern Ragusa und Dubrava. Mächtige Handelskaufleute brachten die Stadt im 14. und 15. Jahrhundert n.Chr. zur Blüte. Die Stadt war Handelsmacht und unterhielt selber eine Flotte von über 200 Schiffen. An die 5000 Seeleute waren angeheuert. Von einem Erdbeben im Jahr 1667 n.Chr., welches einen Großteil der vorhandenen Bauten zerstörte, erholte sich die Stadt nur langsam. An seine Blütezeit kam sie nicht mehr heran.
Erst nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte ein neuerlicher, diesmal touristischer Aufschwung der bis heute andauert. Eine kurze Unterbrechung gab es in der Zeit von 1991-1995, als im so genannten Jugoslawien-Krieg die Stadt von serbischer Artillerie beschossen wurde. Die schweren Schäden dieser Zeit wurden längst saniert.

Stadtmauer von Dubrovnik
Stadtmauer von Dubrovnik

Die alte Stadt ist nach wie vor von den massiven Stadtmauern aus dem etwa 15.-16. Jahrhundert eingefasst. Sie stellt ein einziges Museum dar, aus welchem der Autoverkehr verbannt ist. Die „Stradun“ ist die Hauptstraße, die am Pile-Tor (dem wichtigsten Zugang zur Altstadt) bis hinunter zum alten Hafen führt. Die Straße ist beidseitig von bedeutenden Gebäuden gesäumt und in den Saisonzeiten wird man mehr durchgeschoben als man selber geht. Am Abend erhöht sich das Menschenaufkommen noch mehr. Zu allen Gebäuden gäbe es eine Unmenge zu berichten, aber das sollte wohl eher die Aufgabe von Reiseführern sein. Ich beschränke mich hier auf die Präsentation von Bildern, die die Erinnerung an diese tolle Stadt wach halten werden.
Ich war bereits in sehr jungen Jahren (so um 1960) in dieser Stadt und konnte mich nur mehr vage daran erinner. Diesmal war ich sicherlich wesentlich vorbereiteter und natürlich mit der Reife eines Sechzigjährigen ausgestattet.

Cheops – ein Rätsel weniger (1)

Paläo Seti steckt nicht hinter jedem Phänomen!

Große Pyramide, Gizeh | 2007©G.Hufler
Große Pyramide, Gizeh | 2007©G.Hufler

1973 erschien das Buch „Cheops – die Geheimnisse der Großen Pyramide“ von Peter Tompkins in deutscher Sprache. Peter Tompkins war aber US-Amerikaner. Er wurde 1919 in Athens (Bundesstaat Georgia) geboren und verstarb 87-jährig im Jahr 2007. Er war Kriesberichterstatter im Zweiten Weltkrieg und beschäftigte sich als Journalist mit dem Außergewöhnliche.
Die Titel seiner 3 Bücher zeigen die Richtung: „The Secret Life of Plants“ (1973), „Secrets of the Great Pyramid“ (1972) und „Mysteries of the Mexican Pyramids“ (1976). Sein zweites Buch über die Große Pyramide wurde von Herbert Drube ins Deutsche übertragen. Leider gibt es im Buch keine Quellenangaben, was naturgemäß die Überprüfung der Aussagen darin sehr erschwert.

Tompkins berichtet unter anderem von einer tatsächlichen Begebenheit auf der Spitze der Großen Pyramide:

Große Pyramide, Gizeh | 2007©G.Hufler
Große Pyramide, Gizeh | 2007©G.Hufler

„Als der aus Deutschland nach England ausgewanderte und dort geadelte Sir William Siemens einmal auf der Spitze der Cheopspyramide stand, forderte ihn einer der arabischen Führer auf, eine Hand hochzuhalten und dabei die Finger zu spreizen. Siemens streckte lediglich den Zeigefinger aus und fühlte dabei ein deutliches Prickeln darin. Als er sich anschickte, aus einer mitgebrachten Weinflasche zu trinken, verspürte er einen leichten elektrischen Schlag. Darauf feuchtete er eine Zeitung an und wickelte sie um die Flasche, um sie so zu einer Leydener Flasche zu machen. In der Tat lud sie sich zunehmend mit Elektrizität auf, und zwar nur dadurch, dass er sie über seine Kopf hochhielt. Als dann Funken aus der Weinflasche zu sprühen begannen, glaubten seine arabischen Führer an Hexerei. Einer von ihnen stürzte sich auf den Begleiter von Siemens; aber dieser richtete die Flasche auf ihn, worauf er einen so starken Schlag erhielt, dass er zu Boden sank, um dann laut schreiend die Plattform der Pyramide zu verlassen.“
Im Text weiter heißt es dann: „Solche seltsamen Erlebnisse, die ganz sachlich berichtet werden, wirken noch einigermaßen glaubhaft im Vergleich zu den phantastischen Vorstellungen, die man bei pseudowissenschaftlichen Schriftstellern oder in Science-Fiction-Romanen finden kann.“

Das klingt und klang sehr interessant und schon wirklich „merkwürdig“. Was sollte da droben auf der Spitze der Pyramide vorgehen? Welche rätselhafte Kräfte verursachten diese Erscheinung? Wieso erfährt man das gerade von der Großen Pyramide, nicht aber auch von anderen Pyramiden?
Über Wikipedia erfuhr ich sehr rasch, dass es sich bei Sir William Siemens (1823-1883) um Carl Wilhelm Siemens handelt, einem Bruder des Unternehmesgründers Werner von Siemens. Somit war also ein Zusammenhang, dass er gleich ein Experiment mit einer „Leydener Flasche“ durchführte, hergestellt. Er war Ingenieur, Naturforscher, Erfinder und Industrieller. Er nahm 1859 die britische Staatsbürgerschaft an. Aber leider findet man in diesem Artikel keinen Hinweis, dass er auch Ägypten bereist hätte und diese besagte Erscheinung erlebte.
Also hieß es weitersuchen und siehe da, ich wurde fündig. Im WEB findet man nachstehenden Artikel!
Hier wird diese „Geschichte“ aber von Werner von Siemens erzählt und klingt schon deutlich anders, als sie Tompkins in seinem Buchs zusammenfasste. Es geht eindeutig um dasselbe Phänomen und es ist wohl nicht anzunehmen, dass die beiden Brüder unabhängig voneinander dasselbe erlebt hatten. Es ist auch unwahrscheinlich, dass Werner von Siemens zwar von ihn begleitenden Ingenieuren spricht, aber nicht von seinem Bruder. Leider findet sich auch keine Jahresangabe, was aber wohl eher unbedeutend ist. Nicht unwesentlich sind aber die sonstigen Angaben zur Jahres- und Tageszeit aber vor allem, dass ein mehr oder weniger heftiger Sandstrum herrschte.

Bevor ich nun aber auf die Schilderung des Werner von Siemens eingehe, möchte ich nun auch noch den vagen Versuch unternehmen zu klären, warum Tompkins dem „Engländer“ Siemens dieser Geschichte unterjubelte und nicht bei der Wahrheit blieb. Auch ist unverständlich, dass in einer so seriös wirkende Publikation nur die „halbe Wahrheit“ erzählt wird.
Tompkins war US-amerikanischer Kriegsberichterstatter und hatte so unter den Guten und Bösen zu unterscheiden. Die Bösen waren ganz klar die Deutschen (aus Kriegssicht sowieso und unwidersprochen). Als er also sein Buch schrieb, konnte er (auf Grund seiner Lebenserfahrung) keinem Deutschen etwas Positives anhängen. Um aber doch bei der (etwas verzerrten) Wahrheit zu bleiben, holte er sich den anderen Siemens ins Boot. Der war einst so gescheit, die britische Staatsbürgerschaft anzunehmen und gehörte daher zu den Guten. Diese „Entdeckung“ dem Deutschen Werner von Siemens zuzuschreiben hätte vielleicht in seiner amerikanischen Leserschaft Irritationen ausgelöst. Aber das ist nur eine persönliche Meinung!
Was mich aber am Autor Peter Tompkins schon sehr stört ist, dass er in der Sache NICHT BEI DER WAHRHEIT blieb! Dass er eine Geschichte in einer Art erzählt, die wirklich auf ein Phänomen der Pyramide hindeutete, obwohl die Begleitumstände dies gar nicht zugelassen hätten! Sich selber mit einer Aussage wie: „Solche seltsamen Erlebnisse, die ganz sachlich berichtet werden, wirken noch einigermaßen glaubhaft im Vergleich zu den phantastischen Vorstellungen, die man bei pseudowissenschaftlichen Schriftstellern oder in Science-Fiction-Romanen finden kann“ zu mokieren, sich selber aber „reißerisch“ und am Rande der Wahrheit zu bewegen, passt einfach nicht zusammen.

Große Pyramide, Gizeh | 2007©G.Hufler
Große Pyramide, Gizeh | 2007©G.Hufler

Es war also im Frühjahr (14. April) und um 9:30 Uhr vormittags, wahrscheinlich irgendwann um 1860. Damals konnte man noch ohne lange zu fragen die Große Pyramide besteigen. Das war wahrscheinlich gar nicht so ungefährlich, da immer wieder Steine von oben herab kamen und man wohl auch eine „Route“ kennen musste, denn das Überwinden der bis zu 1,5 Meter hohen Stufen bedurfte auch eingen Geschickes.
Am „Gipfel“ angekommen war man von einer kräftigen, kühlen Windbriese umweht und von Südwesten her zog offensichtlich so etwas wie ein Sand- oder Staubsturm auf. Der Wind wurde sogar so unangenehm, dass man hinter den Steinblöcken, welche auf dem abgeplatteten Gipfel der Pyramide liegen, Schutz suchte.
Der Wüstenstaub wurde immer höher aufgewirbelte, „kroch“ die Pyramide hinauf und als er den obersten Bereich erreichte, vernahm man ein sausendes Geräusch. Siemens schrieb dieses Geräusch dem immer stärker werdenden Wind zu. Ich vermute eher, dass es sich dabei um das Schleifgeräusch handelte, welches der von unten nach oben gewehte Sand verursachte, wenn er über die Steinblöcke oder Steinblockkanten der Pyramide strich.
Als ich mich mit dem Ausdruck „Chamsin“ auseinandersetzte erfuhr ich sehr rasch, dass es sich tatsächlich um einen Staub- und Sandstrum handelt, der nicht selten im Frühjahr in Ägypten aufkommt.
Da fragte ich mich aber auch sogleich, ob diese aufgewirbelten Sandkörner, die über die Pyramide und die Köpfe der dort anwesenden Personen strichen, nicht auch zu elektrostatischen Aufladungen führen konnten.
Und dem ist wirklich so! Im Internet- „Lexikon der Georgraphie“ liest man unter Sandsturm: „Typisch für Sandstürme sind die hohe Luftelektrizität sowie die hohe elektrostatische Aufladung, …“. Damit ist aber auch ganz klar erklärt, warum man einerseits in der erhobenen Hand ein leichtes, elektrisches Kribbeln verspürte, da diese Personen damit die Luftelektrizität selber geerdet hatten. Sie fungierten quasi als ‚Blitzableiter‘. Auch dass das ‚Experiment‘ mit der Flasche so funktionierte wie es geschildert wurde, ist mit dem sehr hohen, elektrostatischen Potential erklärt bzw. erklärbar. Es funktionierte tatsächlich wie ein Kondensator, wie eine Leydener Flasche.

Dieses Phänomen hätte wahrscheinlich an jedem Platz innerhalb des Sandsturmes (Chamsin) beobachtet werden können. Dass es interessierten Beobachtern, die auch entsprechendes wissenschaftliches Verständnis hatten, genau auf der Spitze der Großen Pyramide auffiel und auch dokumentiert wurde, muss dem Zufall zugesprochen werden. Daraus aber ein unverständliches, unerklärliches, ja sogar phantastisches Phänomen der Pyramide abzuleiten wäre im 19. Jahrhundert n. Chr. noch zulässig gewesen. Aber zu Zeiten der Erstellung des Buches (1972) war der Wissensstand schon so, dass man über die elektrischen Vorgänge innerhalb eines Sand- bzw. Staubsturmes bescheid wusste und mann muss daher diese Autorenleistung sehr in Frage stellen.
Wie steht es mit allen anderen „Unerklärlichkeiten“, die in diesem Buch aufgezählt sind?
Dieses „Rätsel“ ist aber sicherlich keines mehr! Es lässt sich ganz einfach mit physikalischen Vorgängen erklären und es steckt auch nichts dahinter, was die unbekannten Erbauern dieser Pyramide als Geheimnis „eingebaut“ haben hätten können!

03/2015©Guntram Hufler

Der Sonne entgegen

Schon mehrmals bin ich mit antiken und vorgeschichtlichen Grabanlagen in Kontakt gekommen.
Fast überall hörte und hört man die gleiche, phantastische Geschichte, dass diese Bauwerke bewusst so ausgerichtet wurden, damit an ganz bestimmten Tagen im Jahr (max 2) die Sonnenstrahlen auf eine bestimmte Stelle im Inneren treffen. Das ist sicherlich nicht anzuzweifeln. In vielen Fällen stellt sich aber die Frage: wofür?
Gerne wird vorgeschoben, dass es sich um eine Art Kalender handeln könnte. Die Sonnenstrahlen kamen immer an einem bestimmten Tag im Frühjahr bis ins „hinterste Eck“. Das könnte dann das Zeichen gewesen sein, mit der Aussaat zu beginnen. Das ist aber nicht wirklich nachvollziehbar, denn die Aussaat im Frühjahr wird nicht auf Grund eines Datums begonnen, sondern richtet sich nur nach den Witterungsbedingungen. Und Außerdem! Um ein jährlich wiederkehrendes Datum auch optisch festzuhalten, hätte es wesentlich einfachere Methoden gegeben. Zwei Pfähle in der Erde hätten dasselbe Ergebnis gebracht!
Nein! Anlagen zur Bestimmung eines Datums, also eine Art Kalender waren diese meist sehr gigantischen Bauten mit Sicherheit nicht! Und irgendwie zu phantastisch! Zum einen billigt man diesen alten Völkern keine entsprechende Technologie zu, zum anderen müssten solche Beobachtungen über mehrere Jahrzehnte erfolgt sein, um dann zum Zeitpunkt X genau diese richtige Ausrichtung aber auch Neigung eines Ganges bewerkstelligen zu können.
Wer konnte das berechnen? Wie konnte man es ausmessen? Wie kam man zur Überzeugung, dass es genau dieser Tag und nicht der davor oder der danach ist?
Antworten auf solche Fragen bleiben die Wissenschaften, im Besonderen aber die Archäologen gerne schuldig!

Abu Simbel | 2007©G.Hufler
Abu Simbel | 2007©G.Hufler

Das „Sonnenwunder von Abu Simbel„, dem weltberühmten und kolossalen Tempel des Ramses II (Pharao von Unter- und Oberägypten der 19. Dynastie um 1300 vor unserer Zeitrechnung) ist wohl den Meisten bekannt. Nein! Hier wurde nie von einem Kalender gesprochen. Aber auch hier bleibt man die Antwort schuldig, wer diese Berechnungen angestellt haben könnte und vor allem wie es gelingen konnte, diese exakte Ausrichtung zu erzielen. Die Strahlen der aufgehenden Sonne treffen heutzutage, zwei mal im Jahr (21. Februar und 21. Oktober) durch den Eingang dringend, für etwa 20 Minuten direkt auf drei der vier Statue im hintersten Teil des Tempels.
Wenn es wirklich so gewesen sein soll, dass die Ägypter zu diesen Erkenntnissen über jahrelange Beobachtungen kamen, hätte der Erbauer dieses monströsen Tempels schon viele Jahre vorher wissen müssen, was er bauen lassen will und wo dieses Bauwerk stehen soll. Es hätte dann auch schon einen entsprechenden, unveränderlichen Plan geben müssen! Wie soll das funktioniert haben? Mit den heutigen Vermessungsgeräten wohl kein Problem, aber damals?

Abu Simbel; das Ziel der Sonnenstrahlen | 2007©G.Hufler
Abu Simbel; das Ziel der Sonnenstrahlen |
2007©G.Hufler

Der Italiener Giovanni Battista Belzoni begann 1817 mit den ersten Freilegungen. Erst um etwa 1910 war die Fassade völlig freigelegt und ob das Innere da auch schon begehbar war, entzieht sich meiner Kenntnis. Ist den damaligen Ausgräbern dieses „Sonnenwunder“ auch schon aufgefallen?
Auch wenn man nun den ganz exakten Zeitpunkt der Tag- und Nachtgleiche durch jahrelange Beobachtungen bestimmt hätte, war das doch wieder nicht so exakt, denn durch die sogenannte „Präzession“ der Erdachse verschiebt sich der Punkt am Horizont laufend. Der Umlauf einer solchen Kreiselbewegung beträgt rd. 25.700 Jahre. Also eine beträchtliche Zeitspanne. Veränderungen von 5 oder 10 Jahren, vielleicht auch 100 Jahren sind da so mit dem freien Auge nicht oder kaum erkennbar. Vergehen aber mehrere Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende, ist dieses einst so tolle Schauspiel nicht mehr zu sehen. Seit der Errichtung von Abu Simbel dürften etwa 3.400 Jahre vergangen sein, also etwa ein Achtel einer Präzessionsperiode, etwa 45 Grad eines Kreises.
Deshalb ist es auch sehr fraglich, ob es sich zur Zeit der Errichtung wirklich um diese oben genannten Tage gehandelt hat (21. Februar und 21. Oktober).
Der Tempel wurde in einer unglaublichen Aktion zwischen 1963 und 1968 „übersiedelt“. Die Fluten des aufgestauten Nils hätten dieses außergewöhnliche Bauwerk völlig versenkt. So wurde es abgetragen und 64 Meter höher an einem geeigneten Ort wieder aufgebaut. Die besten Ingenieure der Welt waren am Werk und schafften schier Unmögliches. Mit der damals schon zur Verfügung stehenden Vermessungstechnik konnte auch die gleiche Ausrichtung wie am Originalstandplatz erzielt werden.
Aber warum der 21. Februar und der 21. Oktober? (in manchen Literaturen ließt man den 20.) Die Präzessionsbewegung ist seit der ursprünglichen Errichtung schon weit fortgeschritten. Ich frage mich schon, wie man auf dieses Datum kam und wie man es bestimmen konnte. Die Ermittlung der Tag- und Nachtgleiche im Frühjahr und im Herbst wäre wohl die logischere Handlung und durch jahrelange, vergleichende Beobachtungen eher ermittelbar gewesen (21. März und 23. September).
Die Sonne hatte in der Glaubenswelt eine große Bedeutung. Ra oder Re war der Sonnengott. Die Sonne stellte den Gott dar. Es gab nichts, was die Sonne geschaffen hätte. Daneben gabs aber viele andere Götter und der Pharao wurde ebenfalls als göttlich verehrt. Dadruch ist wahrscheinlich zu erklären, dass gerade dieser Tempel mit der Sonne und ihren Strahlen verbunden wurde.
Und es bleibt trotzdem immer wieder die Frage: wie berechneten sie es? Nur weil gelehrte Priester in Luxor, Memphis, Cairo oder sonst wo ständige und tägliche Beobachtungen machten, konnte sie ihre Erkenntnisse doch nicht einfach parallel verschieben und an jedem beliebigen Platz ausbreiten. Heute legen wir eine Landkarte auf, nehmen ein Lineal und ein Dreieck und verschieben jede Linie irgendwohin auf der Karte, wo wir es gerade wünschen. Das Lineal und das Dreieck wird vor 3500 Jahren schon vorhanden gewesen sein, aber die präzise Landkarte hat mit Sicherheit gefehlt.
Abu Simbel hat aber noch eine Besonderheit. Der Tempel wurde in den Fels getrieben! Und diese Art des Bauens ermöglichte keine nachträglichen Veränderungen und Korrekturen der Ausrichtung. Die exakte Ausrichtung der Achse von „ganz hinten“ bis vor zum Eingangsportal (etwa 60 Meter) und dann weiter zur aufgehenden Sonne muss anfänglich schon vorgegeben gewesen sein.Ägypten. Der Süden. Begünstigte Klimazonen in welchen ein bedeckter Himmel und Regen eher die Ausnahme sind. Die Beobachtungen des Himmels, egal ob am Tag oder in der Nacht waren wohl fast immer möglich. Sollte es aber trotzdem einmal nicht möglich gewesen sein eine bestimmte Konstellation zu beobachten, so war die Wahrscheinlichkeit, diese im nächsten Jahr aber dann doch wieder nachholen zu können, sehr wahrscheinlich.

Man kennt aber sehr viele Hügelgräber im Norden, die ebenfalls solche „Sonnen-Ausrichtungen“ haben. Ob an der Bretonischen Küste Frankreichs, in Irland, Schottland, Norwegen oder Schweden. Überall gibt es sie und tragen zum Teil klingende Namen. Schlechtwetterfronten brausen mächtig über die nördlichen Lande. Oft ist tagelang vom Himmel nichts zu sehen. Keine Sonne, kein Mond, keine Sterne. Die Beobachtungsreihen mussten sehr lückenhaft gewesen sein!

Newgrange | 2004©G.Hufler
Newgrange |
2004©G.Hufler

Bereits im Jahr 1699 entdeckte man die Anlage von Newgrange in Irland. Nördlich von Dublin und westlich von Drogheda liegen an den Ufern des Flusses Boyne sanfte, üppig mit Gras und Buschland bewachsene Flächen. Einer dieser Hügel barg ein besonderes Geheimnis. Durch Zufall entdeckte ein Farmer beim Zusammentragen von Steinen diesen doch nicht so natürlichen Hügel. Es stellte sich heraus, dass es sich um eine Megalithanlage aus der Zeit um 3200 vor unserer Zeitrechnung handelt. Natürliche Erosion und Ansiedlung von Pflanzen haben diesen Hügel über die Jahrhunderte, ja Jahrtausende in seine Umgebung so integriert, dass er sich von der umgebenden Landschaft nicht mehr abhob. Aber erst 1962 begann man tatsächlich mit systemaitschen Erforschungen und der Restauration.
Wenn man von einem Megalithbau sprechen kann, so unterscheidet er sich aber doch nicht unerheblich von anderen seiner Art. Brachte man die einigermaßen kreisrunde Basis zustande (das schafften die Megalithiker aber auch mit Steinsetzungen wie z.B. Stonehenge), so waren sie offensichtlich nicht in der Lage, eine annähernd gerade Linie zu ziehen. Am Ende des Ganges wurden seitliche 2 Kammern ausgebildet, deren Tiefe auch nicht symetrisch ist.

Newgrange, Eingang | 2004©G.Hufler
Newgrange, Eingang |
2004©G.Hufler

Glaubt man den Archäologen, so wurde der Gang und die Seitenkammern in „Tagbauweise“ errichtet. Erst als die Boden- und Seitensteine verlegt und gesetzt waren kamen die Decksteine und Schieferplatten. Die Tatsache, dass diese Decke auch heute noch nahezu wasserunduchlässig ist wird als großartige, baumeisterische Leistung dargestellt. Wenn man sich aber den Querschnitt der Anlage anschaut so bin ich der Meinung, dass die Erbauer einfach nur „unendlich“ viele Steinplatten aufeinanderschichteten um letztendlich dem Wasser keine Chance mehr zu lassen. Dieses ganze Bauwerk wurde dann mit Erde überhäuft. Es war offensichtlich von Anfang an geplant, dass der Hügel be- oder verwachsen durfte. Warum schafften sie keinen geraden Gang? Die Materialien wären ja vorhanden gewesen!
Aber die wesentlich Frage lautet auch hier: Wie war es möglich, den Gang so auszurichten, dass angeblich zur Wintersonnenwende (21. Dezember) die Sonnenstrahlen bis ans Ende des Ganges reichten. Dem müssten jahre- ja jahrzehntelange Beobachtungen an Ort und Stelle vorangegangen sein. Wie viele Winter zogen da ins Land, damit man nur annähernd eine sichere Peilung vornehmen konnte. Und dann musste genau an diesem Ort gebaut werden. 100 Meter weiter nördlich und die Peilungen hätten schon wieder nicht gepasst!
Auch die Behauptung, dass die Sonnenstrahlen, soferne die Sonne überhaupt schien, genau um die Wintersonnenwende das hinterste Ende des Ganges erreichten, ist meiner Meinung reine Spekulation. 5400 Jahre nach der Errichtung sollte die Kreiselbewegung der Präzession den Sonnenstand zu dieser Jahreszeit bereits so verschoben haben, dass man das Schauspiel bei der Entdeckung der Anlage gar nicht mehr sehen bzw. erkennen konnte.

Newgrange, Eingang | 2004©G.Hufler
Newgrange, Eingang |
2004©G.Hufler

Vielleicht konnten gevievte Mathematiker dies „zurückrechnen“. Davon ließt man aber nichts. Vielmehr wird dieses „Spektakel“ bei Besichtigungen mit einer künstlichen Lichtquelle nachgestellt und alle Besucher sind entzückt bei dieser Vorstellung. Dem touristischen Besucher ist es in der Regel sowieso egal. Hauptsache ein paar Fotos und ein Eintrag im Reisetagebuch. Dieser Punkt der Erde kann abgehakt werden.
Total im Unklaren ist aber, wofür dies die Megalithiker gemacht hätten. Es herrschte tiefste Steinzeit, die Naturgeister beherrschten die mythische Szene. War es das Grab eines Stammesfürsten und seiner Angehörigen? War es eine Art Tempel, in welchem man den Naturgeistern opferte? Dass 1967 im Inneren fünf menschliche Skelette gefunden wurden deutet aber wohl primär auf eine Grabanlage hin.
Und wenn nun die Darstellung der Sonnenstrahlen zur Wintersonnenwende tatsächlich stimmen sollte stellt sich wieder einmal die Frage: Wofür? Was sollte diese Schauspiel bewirken? Da uns von Religionen aus dieser Zeit im Norden Europas wohl kaum etwas bekannt ist, lässt sich leicht spekulieren!
Und weil wir schon gerade so schön beim Spekulieren sind. Auch an der Rekonstruktion wie wir sie heute vorfinden wird sehr viel Kritik geübt. Es wird stark angezweifelt, dass das Äußere der Anlage sich so präsentiert hatte. Vor allem diese steilen, aufgeschichteten Wände dürften nicht der Realität entsprechen. Die Rekonstrukteure schafften diese Steilheit nur, weil sie dahinter Betonmauern setzten. Und ob tatsächlich so viele Quarzsteine verbaut waren ist nicht bekannt. Im Umkreis wurden zwar deratige Steinbrocken gefunden, aber bei weitem nicht so viele, dass man auf dieses Erscheinungsbild schließen hätte können. Und: Ob es die obere Öffnung beim Eingang überhaupt gegeben hat ist auch ungewiss. Bilder um etwa 1900 n. Chr. lassen diesen Schluss nicht unbedingt zu.

Diese Anlage wird ihr Geheimnis wohl für immer für sich behalten. Man wird wohl nie erfahren, wer sie errichtet hat und für wen – und wie man diese angebliche Ausrichtung auf die Sonne um die Wintersonnenwende schaffte. Eines kann man sich aber sehr sicher sein. Ein Kalendereintrag war es nicht. Wofür hätte er genützt? Was hätte in der Landwirtschaft der Wissensstand gebracht, dass nun die Tage wieder länger werden? Landwirtschaft konnte noch auf Monate hinaus nicht betrieben werden.

01/2015©Guntram Hufler