Cart Ruts

Was steckt dahinter? Wie könnten sie entstanden sein?

Ich denke an meine Kindheit zurück! Ich lebte „am Land“ in einer bäuerlich, ländlich geprägten Gegend. Es waren die 50er-Jahre des vorigen Jahrhunderts. Der Fortschritt war schon nicht mehr aufzuhalten. Immer mehr Menschen konnten sich Autos leisten und für diese wurden sodann auch schon die wichtigsten Straßen asphaltiert. Aber abseits dieser „Hauptverkehrswege“ sah es aus wie eh und je. Kaum befestigte Böden und die Fahrspuren waren deutlich zu erkennen. Es gibt heute noch Feldwege, welche links und rechts eine Spurrille zeigen und die Mitte etwas erhaben sind (da nicht so fest und ständig niedergedrückt) und oftmals sogar mit Gras bewachsen sind.
In der Landwirtschaft wurden vermehrt noch Pferdegespanne verwendet und die Räder der Karren waren nicht aus Gummi und luftgefüllt. Es waren hölzerne Speichenräder, um welche auf den Laufflächen Metallkränze angeschraubt oder genagelt waren. In unserer Zeit waren dieses Metall eben Eisen oder ein Stahl. Und: obwohl sich in der Mitte die Pferde mit ihren beschlagenen Hufen bewegten, war dieser Straßenbereich deutlich weniger abgenützt als jene Bereich, auf welchen sich die Räder bewegten. Für mich hat das einen ganz logischen Grund, denn auf den Karren war deutlich mehr Gewicht geladen und drückte so auch deutlich stärker auf den Untergrund als wenn ein Pferd mit seinem Huf den Boden tritt.

Bei trockener Witterung waren diese Erdstraßen gut befahrbar und kein Problem. Wurde es aber regnerisch und matschig, gruben sich diese schmalen Räder auch schon mal recht ordentlich in den Untergrund. Fuhren mehrere Fuhrwerke hintereinander auf der selben Route, so entstanden tiefe Rillen, denen man nicht mehr ausweichen konnte. Jedes Rad „fiel“ in diese vorgegebene Spur hinein und prägte damit dieses (negative) Gleis immer stärker.
Der Untergrund bestand und besteht aber keinesfalls aus gleichförmiger Masse. Da gabs Erdreich, Sand, grobe und weniger grobe Steine oder auch mals eine Felsplatte. Je nach Untergrund entwickelten sich diese Spuren. Zum Glück waren die Räder der damaligen Zeit in den Naben relativ beweglich, weshalb geringfügige Spurbreitenänderungen über diese ausgemergelten Naben ausgeglichen wurden.
Trocknete der Boden, so blieben diese Wagenspuren erhalten und wurden somit auch im trockenen Zustand gepresst, gedrückt und verfestigt. Nur von Zeit zu Zeit – wenn es gar nicht mehr anders ging – wurden diese Wege wieder ausgebessert und die Spurrillen wieder mit Material gefüllt. Das „Spiel“ begann wieder von neuem!

Die heutige Methode, klassische Langlaufspuren zu produzieren beruht genau auf diesem Prinzip!

Die Cart Ruts auf Malta beschäftigen schon seit Jahrzehnten viel Menschen und man bekommt die unterschiedlichsten Erklärungen. Dass es sich um Rad- oder Schleifspuren handelt scheint eigentlich außer Streit. Die Frage lautet viel mehr, wie entstanden sie? Aber auch: wer ist dafür verantwortlich?
Es ist natürlich sehr kurios, dass derartige Gleise anscheinend im Nichts beginnen und im Nichts enden. Sie enden (oder beginnen) auch im Meer, sind unterschiedlich tief ausgeprägt, verlaufen aber mehr oder weniger exakt parallel. Es gibt Weichen und Kreuzungen. Es lässt sich kein System erkennen.

In Sizilien, genauer gesagt in Syrakus, entdeckte ich genau solche Cart Ruts. Zwar nicht in dieser Häufigkeit wie auf Malta, aber sie sind da und wahrscheinlich auf die gleichen Art und Weise entstanden wie die wesentlich „Berühmteren“ auf Malta.

syracus 1
Griechisches Theater in Syrakus
Foto: 2006©G. Hufler
Cart Ruts in Syracus
Cart Ruts im Griechischen Theater Syrakus
Foto: 2006©G.Hufler

 

Wir besuchten das griechische Theater der antiken Ausgrabungsstätte in Syrakus (Sizilien) und standen im obersten Bereich der auch heute noch imposanten Anlage. Es ist sehr gut zu erkennen, wie dieses Theater in den Fels geschlagen, der Landschaft angepasst wurde. Ganz im obersten Bereich endeten die Sitzreihen und den Abschluss bildete der natürliche Fels, in welchen Katakomben getrieben wurden und wohl der Versorgung der Theaterbesucher dienten. Im (von unten gesehen) linken, oberen Bereich ist ein Zugangsweg in den Fels geschlagen, der offensichtlich auch mit Karren befahren wurde. Auf diesem Zugangsweg sieht man heute Wagenspuren wie sie auch auf Malta zu Tausenden vorkommen.
Hier wissen wir, wer die Erbauer dieser Anlage waren. Es waren die Griechen, die mit dem Bau im 6. Jahrhundert v. Chr. begannen. Eine Erweiterung erfolgte 300 Jahre später. Die Transportmittel der damaligen Zeit sind bekannt – Ochsen- und Eselkarren. An Arbeitskräften dürfte es auch nicht gemangelt haben. Trotzdem sieht man zwischen den Gleisen keine (oder kaum vorhandene) Abnützungsspuren. Warum? Aus meiner Sichtweise ganz klar. Der Druck, der über die mit Metall beschlagenen Räder der Karren ausgeübt wurde war deutlich höher als jener, welcher von den Ochsen oder Eseln mit ihren Hufen erzeugt wurde. Das Metall der Räder bewirkte zudem wesentlich mehr Abrieb als die Hornhufe der Tiere oder – wenn Menschen im Spiel waren – deren Ledersandalen.
Da man davon ausgehen muss, dass bei diesem griechischen Theater nichts Prä-Astronautisches im Spiel sein kann, wird man wohl nur von einer natürlichen Abnützung und Entstehung ausgehen können.

Die Situation in Malta ist anders! Ist es auf Malta anders? Ich glaube nicht, auch wenn es auf den ersten Blick hin vielleicht so erscheinen mag.
Da höre (und lese) ich, dass es oftmals nur „einzelne“ Gleise gäbe, zum Teil mit Tiefen, die man mit Wagenrädern schon nicht mehr erklären könne. Zudem wird berichtet, dass sich die Spurbreiten laufend verändern und es daher auch keine Karren mit Rädern gewesen sein konnten.
Nun habe ich mich tagelang im WEB mit diesen Cart Ruts beschäftigt und hunderte von eingestellten Bildern betrachtet. Entgegen immer wieder geäußerten Behauptungen konnte ich aber weder Gleise entdecken, die eine „unmögliche“ Spurbreitenveränderung dargestellt hätten noch solche, deren Radien so eng wären, dass sie von Rädern nicht herrühren können. Auch fand ich keine „einzelnen“ Rillen.
Ich war bislang selber noch nie auf Malta und ich konnte mich von diesen Cart Ruts vor Ort selber noch nicht überzeugen, aber geringfügige Abweichungen von ein paar Zentimetern in der Spur sind absolut zulässsig, da nicht davon ausgegangen werden kann, dass die damaligen Radnaben so stabil gewesen wären, um dies nicht zuzulassen. Sehr tiefe Spuren habe ich im Web auf Bildern aber sehr wohl gefunden. Aber dabei bin ich mir nicht sicher, ob sie den gleichen Ursprung gehabt haben. Wohl mussten sie aber bei derselben auszuübenden Tätigkeit entstanden sein.

Eine wesentlich Frage für mich ist: was war hier so massenhaft zu transportieren, dass es überhaupt in dieser Vielfältigkeit und trotzdem systemlos erfolgen musste? Einzelne Transporte machen keine solchen Spuren, es sei denn, es handelt sich um einen sehr weichen Untergrund (aber dabei kann man eine „Konservierung“ wohl nur annehmen, wenn auch das Phänomen der Versteinerung in Betracht gezogen wird). In den Spuren an sich erkenne ich jedoch NICHTS Außerirdisches, wohl nur etwas Unbekanntes. Wir wissen nicht, wer dafür verantwortlich ist und welche Vehikel sich hier über das Gelände bewegt haben bzw. bewegt wurden. Theoretisch können auch einfach Menschen ein- (oder sogar zweiachsige) Karren gezogen oder geschoben haben. Der Gewichtsunterschied macht es! Ein Karren, angefüllt mit Erdreich und Steinen wiegt ein Vielfaches eines Menschen. Und da können viele gezogen oder geschoben haben. Trotzdem würden diese kaum erkennbare Spuren auf einem steinigen Untergrund hinterlassen.
Dass diese Spuren „nur“ mehr auf den felsigen Flächen gesehen werden können erscheint mir auch logisch und könnte trotzdem unterschiedliche Gründe haben. Über Jahrhunderte, ja Jahrtausende siedelten sich Pflanzen an, starben ab und bildeten Humus. Dieser wurde durch Winderosion in Niederungen und Spalten verfrachtet. Wenn es also Gleise in Senken gab, so wurden diese Spuren mit Sicherheit im wahrsten Sinne des Wortes „vom Winde verweht“. Es kann aber genauso gewesen sein, dass der Abraum (durch Einebnungen) zum Teil auch hin zu Senken transportiert wurde, um diese aufzufüllen. Auch da werden Spuren abrupt enden, denn die Karren wurden ja nicht weiter gezogen/geschoben. Und: wenn man öfter einen Transport von A nach B zu bewerkstelligen gehabt hatte ist es auch ganz logisch und sinnvoll, dann immer auf derselben Spur zu fahren. Nur so musste man nicht immer wieder über neuerliche Unebenheiten poltern, was Kraft kostet und auch das Material belastet.
Der Untergrund Maltas besteht fast ausschließlich aus porösem Kalstein. Es gibt viel Gruben und Löcher, Dolinen und Ausschwemmungen. Darin hat sich über Jahrtausende mit Sicherheit Erdreich und Humus angesammelt, welcher von den erhabenen Flächen vom Wind abgeweht oder von den winterlichen Regenfällen abgeschwemmt wurde. Wenn man also mit Karren über das Land zog, so musste man teils über die Felsen rattern, teilweise konnte man sich aber auch weichem Untergrund bewegen. Es wird auch das nicht leicht gewesen sein, denn im Morast etwas zu bewegen ist sicherlich anstrengender als ginge es über Steine. Die Spuren auf den Steinen blieben erhalten, da sie auch weiter von Vegetation durch Wind und Wetter frei gehalten wurden. Die Spuren in den weichen, erdigen, matschigen Bereichen wurden über die Jahrhunderte aber wieder zugedeckt.
Es wäre vielleicht einmal sinnvoll, eine Grabung am Ende einer Spur vorzunehmen wo sie „verschwindet“, weil sich der Untergrund ändert. Vielleicht hat man in einer etwas tieferen Schicht die Möglichkeit, auf eine Fortsetzung der „Straße“ zu stoßen. Es wäre aber sehr wohl auch denkbar, dass man auf Abraum stößt welches beweisen würde, dass mit dem Abraum Unebenheiten im Gelände ausgeglichen wurden.

Zeichnung Stangenschleifung

Der theoretischen Ausführung, dass Lasten auf nachgeschleiften Stangen gezogen wurden, kann ich nicht viel abgewinnen. Der heutige Stand der Wissenschaft ist, dass das Rad (Wagenrad) etwa um 4000 v. Chr. in Europa Einzug gehalten hat. Die Verbreitung erfolgte sehr rasch, sodass es wohl in relativ kurzer Zeit zu einer flächendeckenden Verwendung kam. Nachdem man die ersten Kulturen auf Malta etwa um 4000 v.Chr. ansiedelt ist es nur allzu logisch, dass deren Bewohner dann auch das Rad bereits kannten und nutzten. Außerdem könnte man schmale, aber tief Rillen mit der Stangenschleifmethode kaum erklären, da der Anstellwinkel der Stangen dann dermaßen steil hätte sein müssen, dass man wiederum nur wenige Mengen an Lasten transportieren hätte können.

Gozo_Malta aus G-Earth
Ausschnitt aus Google Earth
(Kopie vom 14.2.2015)

Heutzutage kann man sich Luftaufnahmen von Malta problemlos in Google-Earth anschauen. Betrachtet man im Speziellen die Insel Gozo so fallen spontan die Terrassen rund um alle Hügel und Berge aber auch entlang der Täler und Flussläufe auf. Es hat sogar den Anschein, dass die Spitzen der Hügel abgetragen sind um eine plane Fläche zu bekommen. Diese Insel scheint eine einzige Terrassenlandschaft zu sein. Es scheint kaum ein Gelände zu geben, welches man nicht versuchte einzuebnen. Wann wurden diese Terrassen angelegt? Und von wem?
Ich glaube, dass dies die wesentlichen Fragen sind, um den Geheimnissen der Cart Ruts auf die Schliche zu kommen.
Grundsätzlich sehe ich in diesen Gleisen nichts Prä-„Astronautisches“. Prä-Historisch aber auf jeden Fall. Die Geschichte Maltas ist aus meiner Sicht sehr wenig erforscht. Die Anfänge liegen total im Dunkeln und man kann nicht einmal feststellen, wann und durch wen die ersten Besiedelungen stattgefunden haben. Es gab einmal eine „kleine“ Eiszeit in welcher der Meeresspiegel des Mittelmeers deutlich abgesenkt war. In dieser Zeit könnten die maltesischen Inseln sowohl mit Sizilien als auch dem übrigen Europa mittels einer Festlandbrücke verbunden gewesen sein. Dass es über diese „Brücke“ Wanderungen und Besiedelungen gegeben haben könnte ist wahrscheinlich und anzunehmen – das sollte aber letztmalig vor etwa 13000 Jahren möglich gewesen sein und der Rückgang des Meeresspiegels müsste damals an die 150 Meter betragen haben, denn in etwa so tief ist das Mittelmeer heute zwischen Sizilien und Malta.
Nachdem Malta aber von Sizilien auch nur etwa 80-90km entfernt liegt, wäre ein ständiger „Schiffsverkehr“ zwischen diesen beiden Inseln wohl auch sehr wahrscheinlich.
Menschliche Spuren kann man bis etwa 4000 v.Chr. nachweisen bzw. erkennen. Die ältesten sind wohl die im Süden der Hauptinsel liegende Tempelanlage Mnajdra. Die Historiker gehen aber davon aus, dass nach dieser Phase die Insel überhaupt nicht oder nur sehr spärlich besiedelt war. Das sind aber nur Rückschlüsse auf Grund nicht vorhandener Funde, müssen aber keinesfalls stimmen. Ich finde auch, dass es nicht sehr logisch wäre, denn für einige Wenige kann die Insel wohl zu jeder Zeit eine Heimat gewesen sein. Nachdem die Insel kaum natürliche Recourcen hat und auch die Landwirtschaft sehr mühelvoll ist, wird es ein „Reich“ der Außenseiter gewesen sein. Sie hatten zu überleben – und das in wohl ärmlicher und primitiver Form.
Reste menschlicher Kultur fand man dann erst wieder ab etwa 2500 v.Chr., also aus der Bronzezeit. Hier erfährt man in der Literatur, dass man Gebäudereste auf „abgeflachten“ Hügeln fand, aber von den Terrassen ist keine Rede. Aber wenn diese damaligen Menschen auch NUR die Hügel „abflachten“, mussten sie auch dieses abgeschürfte Material irgendwo hin transportiert und gelagert haben.

Malta dürfte nie wirklich diese blühende Insel gewesen sein. Der Untergrund besteht hauptsächlich aus Kalk-(Karst-)gestein und Wasser ist auch nur eher spärlich vorhanden. Die wenigen Niederschläge im Jahr schaffen und schafften nicht die Voraussetzungen für ständig verfügbare Wasservorräte. In diesem Karstgelände „verschwinden“ Niederschläge sehr rasch und die wenigen an der Oberfläche verbeibenden Rinnsale und Pfützen verdunsten ehe man es sich versah.
Irgend jemand hatte aber in der Vergangenheit unter massiven Anstrengungen versucht, diesen widrigen Bedingungen zu trotzen. Das Schaffen ebener Flächen ermöglichte das Aufbringen fruchtbaren Erdreichs aber auch die Bildung neuer Humusschichten, ohne dass die wenigen Niederschläge diese auch gleich wieder in den Senken und Dolinen verschwemmten und unwiederbringlich machten. Auf diesen geschaffenen Terrassen konnte gezielt Landwirtschaft betrieben werden zudem auch das wenige, vorhandenen Wasser von oben nach unten besser „verteilt“ werden konnte.

02/2015©Guntram Hufler