Cheops – ein Rätsel weniger (1)

Paläo Seti steckt nicht hinter jedem Phänomen!

Große Pyramide, Gizeh | 2007©G.Hufler
Große Pyramide, Gizeh | 2007©G.Hufler

1973 erschien das Buch „Cheops – die Geheimnisse der Großen Pyramide“ von Peter Tompkins in deutscher Sprache. Peter Tompkins war aber US-Amerikaner. Er wurde 1919 in Athens (Bundesstaat Georgia) geboren und verstarb 87-jährig im Jahr 2007. Er war Kriesberichterstatter im Zweiten Weltkrieg und beschäftigte sich als Journalist mit dem Außergewöhnliche.
Die Titel seiner 3 Bücher zeigen die Richtung: „The Secret Life of Plants“ (1973), „Secrets of the Great Pyramid“ (1972) und „Mysteries of the Mexican Pyramids“ (1976). Sein zweites Buch über die Große Pyramide wurde von Herbert Drube ins Deutsche übertragen. Leider gibt es im Buch keine Quellenangaben, was naturgemäß die Überprüfung der Aussagen darin sehr erschwert.

Tompkins berichtet unter anderem von einer tatsächlichen Begebenheit auf der Spitze der Großen Pyramide:

Große Pyramide, Gizeh | 2007©G.Hufler
Große Pyramide, Gizeh | 2007©G.Hufler

„Als der aus Deutschland nach England ausgewanderte und dort geadelte Sir William Siemens einmal auf der Spitze der Cheopspyramide stand, forderte ihn einer der arabischen Führer auf, eine Hand hochzuhalten und dabei die Finger zu spreizen. Siemens streckte lediglich den Zeigefinger aus und fühlte dabei ein deutliches Prickeln darin. Als er sich anschickte, aus einer mitgebrachten Weinflasche zu trinken, verspürte er einen leichten elektrischen Schlag. Darauf feuchtete er eine Zeitung an und wickelte sie um die Flasche, um sie so zu einer Leydener Flasche zu machen. In der Tat lud sie sich zunehmend mit Elektrizität auf, und zwar nur dadurch, dass er sie über seine Kopf hochhielt. Als dann Funken aus der Weinflasche zu sprühen begannen, glaubten seine arabischen Führer an Hexerei. Einer von ihnen stürzte sich auf den Begleiter von Siemens; aber dieser richtete die Flasche auf ihn, worauf er einen so starken Schlag erhielt, dass er zu Boden sank, um dann laut schreiend die Plattform der Pyramide zu verlassen.“
Im Text weiter heißt es dann: „Solche seltsamen Erlebnisse, die ganz sachlich berichtet werden, wirken noch einigermaßen glaubhaft im Vergleich zu den phantastischen Vorstellungen, die man bei pseudowissenschaftlichen Schriftstellern oder in Science-Fiction-Romanen finden kann.“

Das klingt und klang sehr interessant und schon wirklich „merkwürdig“. Was sollte da droben auf der Spitze der Pyramide vorgehen? Welche rätselhafte Kräfte verursachten diese Erscheinung? Wieso erfährt man das gerade von der Großen Pyramide, nicht aber auch von anderen Pyramiden?
Über Wikipedia erfuhr ich sehr rasch, dass es sich bei Sir William Siemens (1823-1883) um Carl Wilhelm Siemens handelt, einem Bruder des Unternehmesgründers Werner von Siemens. Somit war also ein Zusammenhang, dass er gleich ein Experiment mit einer „Leydener Flasche“ durchführte, hergestellt. Er war Ingenieur, Naturforscher, Erfinder und Industrieller. Er nahm 1859 die britische Staatsbürgerschaft an. Aber leider findet man in diesem Artikel keinen Hinweis, dass er auch Ägypten bereist hätte und diese besagte Erscheinung erlebte.
Also hieß es weitersuchen und siehe da, ich wurde fündig. Im WEB findet man nachstehenden Artikel!
Hier wird diese „Geschichte“ aber von Werner von Siemens erzählt und klingt schon deutlich anders, als sie Tompkins in seinem Buchs zusammenfasste. Es geht eindeutig um dasselbe Phänomen und es ist wohl nicht anzunehmen, dass die beiden Brüder unabhängig voneinander dasselbe erlebt hatten. Es ist auch unwahrscheinlich, dass Werner von Siemens zwar von ihn begleitenden Ingenieuren spricht, aber nicht von seinem Bruder. Leider findet sich auch keine Jahresangabe, was aber wohl eher unbedeutend ist. Nicht unwesentlich sind aber die sonstigen Angaben zur Jahres- und Tageszeit aber vor allem, dass ein mehr oder weniger heftiger Sandstrum herrschte.

Bevor ich nun aber auf die Schilderung des Werner von Siemens eingehe, möchte ich nun auch noch den vagen Versuch unternehmen zu klären, warum Tompkins dem „Engländer“ Siemens dieser Geschichte unterjubelte und nicht bei der Wahrheit blieb. Auch ist unverständlich, dass in einer so seriös wirkende Publikation nur die „halbe Wahrheit“ erzählt wird.
Tompkins war US-amerikanischer Kriegsberichterstatter und hatte so unter den Guten und Bösen zu unterscheiden. Die Bösen waren ganz klar die Deutschen (aus Kriegssicht sowieso und unwidersprochen). Als er also sein Buch schrieb, konnte er (auf Grund seiner Lebenserfahrung) keinem Deutschen etwas Positives anhängen. Um aber doch bei der (etwas verzerrten) Wahrheit zu bleiben, holte er sich den anderen Siemens ins Boot. Der war einst so gescheit, die britische Staatsbürgerschaft anzunehmen und gehörte daher zu den Guten. Diese „Entdeckung“ dem Deutschen Werner von Siemens zuzuschreiben hätte vielleicht in seiner amerikanischen Leserschaft Irritationen ausgelöst. Aber das ist nur eine persönliche Meinung!
Was mich aber am Autor Peter Tompkins schon sehr stört ist, dass er in der Sache NICHT BEI DER WAHRHEIT blieb! Dass er eine Geschichte in einer Art erzählt, die wirklich auf ein Phänomen der Pyramide hindeutete, obwohl die Begleitumstände dies gar nicht zugelassen hätten! Sich selber mit einer Aussage wie: „Solche seltsamen Erlebnisse, die ganz sachlich berichtet werden, wirken noch einigermaßen glaubhaft im Vergleich zu den phantastischen Vorstellungen, die man bei pseudowissenschaftlichen Schriftstellern oder in Science-Fiction-Romanen finden kann“ zu mokieren, sich selber aber „reißerisch“ und am Rande der Wahrheit zu bewegen, passt einfach nicht zusammen.

Große Pyramide, Gizeh | 2007©G.Hufler
Große Pyramide, Gizeh | 2007©G.Hufler

Es war also im Frühjahr (14. April) und um 9:30 Uhr vormittags, wahrscheinlich irgendwann um 1860. Damals konnte man noch ohne lange zu fragen die Große Pyramide besteigen. Das war wahrscheinlich gar nicht so ungefährlich, da immer wieder Steine von oben herab kamen und man wohl auch eine „Route“ kennen musste, denn das Überwinden der bis zu 1,5 Meter hohen Stufen bedurfte auch eingen Geschickes.
Am „Gipfel“ angekommen war man von einer kräftigen, kühlen Windbriese umweht und von Südwesten her zog offensichtlich so etwas wie ein Sand- oder Staubsturm auf. Der Wind wurde sogar so unangenehm, dass man hinter den Steinblöcken, welche auf dem abgeplatteten Gipfel der Pyramide liegen, Schutz suchte.
Der Wüstenstaub wurde immer höher aufgewirbelte, „kroch“ die Pyramide hinauf und als er den obersten Bereich erreichte, vernahm man ein sausendes Geräusch. Siemens schrieb dieses Geräusch dem immer stärker werdenden Wind zu. Ich vermute eher, dass es sich dabei um das Schleifgeräusch handelte, welches der von unten nach oben gewehte Sand verursachte, wenn er über die Steinblöcke oder Steinblockkanten der Pyramide strich.
Als ich mich mit dem Ausdruck „Chamsin“ auseinandersetzte erfuhr ich sehr rasch, dass es sich tatsächlich um einen Staub- und Sandstrum handelt, der nicht selten im Frühjahr in Ägypten aufkommt.
Da fragte ich mich aber auch sogleich, ob diese aufgewirbelten Sandkörner, die über die Pyramide und die Köpfe der dort anwesenden Personen strichen, nicht auch zu elektrostatischen Aufladungen führen konnten.
Und dem ist wirklich so! Im Internet- „Lexikon der Georgraphie“ liest man unter Sandsturm: „Typisch für Sandstürme sind die hohe Luftelektrizität sowie die hohe elektrostatische Aufladung, …“. Damit ist aber auch ganz klar erklärt, warum man einerseits in der erhobenen Hand ein leichtes, elektrisches Kribbeln verspürte, da diese Personen damit die Luftelektrizität selber geerdet hatten. Sie fungierten quasi als ‚Blitzableiter‘. Auch dass das ‚Experiment‘ mit der Flasche so funktionierte wie es geschildert wurde, ist mit dem sehr hohen, elektrostatischen Potential erklärt bzw. erklärbar. Es funktionierte tatsächlich wie ein Kondensator, wie eine Leydener Flasche.

Dieses Phänomen hätte wahrscheinlich an jedem Platz innerhalb des Sandsturmes (Chamsin) beobachtet werden können. Dass es interessierten Beobachtern, die auch entsprechendes wissenschaftliches Verständnis hatten, genau auf der Spitze der Großen Pyramide auffiel und auch dokumentiert wurde, muss dem Zufall zugesprochen werden. Daraus aber ein unverständliches, unerklärliches, ja sogar phantastisches Phänomen der Pyramide abzuleiten wäre im 19. Jahrhundert n. Chr. noch zulässig gewesen. Aber zu Zeiten der Erstellung des Buches (1972) war der Wissensstand schon so, dass man über die elektrischen Vorgänge innerhalb eines Sand- bzw. Staubsturmes bescheid wusste und mann muss daher diese Autorenleistung sehr in Frage stellen.
Wie steht es mit allen anderen „Unerklärlichkeiten“, die in diesem Buch aufgezählt sind?
Dieses „Rätsel“ ist aber sicherlich keines mehr! Es lässt sich ganz einfach mit physikalischen Vorgängen erklären und es steckt auch nichts dahinter, was die unbekannten Erbauern dieser Pyramide als Geheimnis „eingebaut“ haben hätten können!

03/2015©Guntram Hufler

Der Sonne entgegen

Schon mehrmals bin ich mit antiken und vorgeschichtlichen Grabanlagen in Kontakt gekommen.
Fast überall hörte und hört man die gleiche, phantastische Geschichte, dass diese Bauwerke bewusst so ausgerichtet wurden, damit an ganz bestimmten Tagen im Jahr (max 2) die Sonnenstrahlen auf eine bestimmte Stelle im Inneren treffen. Das ist sicherlich nicht anzuzweifeln. In vielen Fällen stellt sich aber die Frage: wofür?
Gerne wird vorgeschoben, dass es sich um eine Art Kalender handeln könnte. Die Sonnenstrahlen kamen immer an einem bestimmten Tag im Frühjahr bis ins „hinterste Eck“. Das könnte dann das Zeichen gewesen sein, mit der Aussaat zu beginnen. Das ist aber nicht wirklich nachvollziehbar, denn die Aussaat im Frühjahr wird nicht auf Grund eines Datums begonnen, sondern richtet sich nur nach den Witterungsbedingungen. Und Außerdem! Um ein jährlich wiederkehrendes Datum auch optisch festzuhalten, hätte es wesentlich einfachere Methoden gegeben. Zwei Pfähle in der Erde hätten dasselbe Ergebnis gebracht!
Nein! Anlagen zur Bestimmung eines Datums, also eine Art Kalender waren diese meist sehr gigantischen Bauten mit Sicherheit nicht! Und irgendwie zu phantastisch! Zum einen billigt man diesen alten Völkern keine entsprechende Technologie zu, zum anderen müssten solche Beobachtungen über mehrere Jahrzehnte erfolgt sein, um dann zum Zeitpunkt X genau diese richtige Ausrichtung aber auch Neigung eines Ganges bewerkstelligen zu können.
Wer konnte das berechnen? Wie konnte man es ausmessen? Wie kam man zur Überzeugung, dass es genau dieser Tag und nicht der davor oder der danach ist?
Antworten auf solche Fragen bleiben die Wissenschaften, im Besonderen aber die Archäologen gerne schuldig!

Abu Simbel | 2007©G.Hufler
Abu Simbel | 2007©G.Hufler

Das „Sonnenwunder von Abu Simbel„, dem weltberühmten und kolossalen Tempel des Ramses II (Pharao von Unter- und Oberägypten der 19. Dynastie um 1300 vor unserer Zeitrechnung) ist wohl den Meisten bekannt. Nein! Hier wurde nie von einem Kalender gesprochen. Aber auch hier bleibt man die Antwort schuldig, wer diese Berechnungen angestellt haben könnte und vor allem wie es gelingen konnte, diese exakte Ausrichtung zu erzielen. Die Strahlen der aufgehenden Sonne treffen heutzutage, zwei mal im Jahr (21. Februar und 21. Oktober) durch den Eingang dringend, für etwa 20 Minuten direkt auf drei der vier Statue im hintersten Teil des Tempels.
Wenn es wirklich so gewesen sein soll, dass die Ägypter zu diesen Erkenntnissen über jahrelange Beobachtungen kamen, hätte der Erbauer dieses monströsen Tempels schon viele Jahre vorher wissen müssen, was er bauen lassen will und wo dieses Bauwerk stehen soll. Es hätte dann auch schon einen entsprechenden, unveränderlichen Plan geben müssen! Wie soll das funktioniert haben? Mit den heutigen Vermessungsgeräten wohl kein Problem, aber damals?

Abu Simbel; das Ziel der Sonnenstrahlen | 2007©G.Hufler
Abu Simbel; das Ziel der Sonnenstrahlen |
2007©G.Hufler

Der Italiener Giovanni Battista Belzoni begann 1817 mit den ersten Freilegungen. Erst um etwa 1910 war die Fassade völlig freigelegt und ob das Innere da auch schon begehbar war, entzieht sich meiner Kenntnis. Ist den damaligen Ausgräbern dieses „Sonnenwunder“ auch schon aufgefallen?
Auch wenn man nun den ganz exakten Zeitpunkt der Tag- und Nachtgleiche durch jahrelange Beobachtungen bestimmt hätte, war das doch wieder nicht so exakt, denn durch die sogenannte „Präzession“ der Erdachse verschiebt sich der Punkt am Horizont laufend. Der Umlauf einer solchen Kreiselbewegung beträgt rd. 25.700 Jahre. Also eine beträchtliche Zeitspanne. Veränderungen von 5 oder 10 Jahren, vielleicht auch 100 Jahren sind da so mit dem freien Auge nicht oder kaum erkennbar. Vergehen aber mehrere Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende, ist dieses einst so tolle Schauspiel nicht mehr zu sehen. Seit der Errichtung von Abu Simbel dürften etwa 3.400 Jahre vergangen sein, also etwa ein Achtel einer Präzessionsperiode, etwa 45 Grad eines Kreises.
Deshalb ist es auch sehr fraglich, ob es sich zur Zeit der Errichtung wirklich um diese oben genannten Tage gehandelt hat (21. Februar und 21. Oktober).
Der Tempel wurde in einer unglaublichen Aktion zwischen 1963 und 1968 „übersiedelt“. Die Fluten des aufgestauten Nils hätten dieses außergewöhnliche Bauwerk völlig versenkt. So wurde es abgetragen und 64 Meter höher an einem geeigneten Ort wieder aufgebaut. Die besten Ingenieure der Welt waren am Werk und schafften schier Unmögliches. Mit der damals schon zur Verfügung stehenden Vermessungstechnik konnte auch die gleiche Ausrichtung wie am Originalstandplatz erzielt werden.
Aber warum der 21. Februar und der 21. Oktober? (in manchen Literaturen ließt man den 20.) Die Präzessionsbewegung ist seit der ursprünglichen Errichtung schon weit fortgeschritten. Ich frage mich schon, wie man auf dieses Datum kam und wie man es bestimmen konnte. Die Ermittlung der Tag- und Nachtgleiche im Frühjahr und im Herbst wäre wohl die logischere Handlung und durch jahrelange, vergleichende Beobachtungen eher ermittelbar gewesen (21. März und 23. September).
Die Sonne hatte in der Glaubenswelt eine große Bedeutung. Ra oder Re war der Sonnengott. Die Sonne stellte den Gott dar. Es gab nichts, was die Sonne geschaffen hätte. Daneben gabs aber viele andere Götter und der Pharao wurde ebenfalls als göttlich verehrt. Dadruch ist wahrscheinlich zu erklären, dass gerade dieser Tempel mit der Sonne und ihren Strahlen verbunden wurde.
Und es bleibt trotzdem immer wieder die Frage: wie berechneten sie es? Nur weil gelehrte Priester in Luxor, Memphis, Cairo oder sonst wo ständige und tägliche Beobachtungen machten, konnte sie ihre Erkenntnisse doch nicht einfach parallel verschieben und an jedem beliebigen Platz ausbreiten. Heute legen wir eine Landkarte auf, nehmen ein Lineal und ein Dreieck und verschieben jede Linie irgendwohin auf der Karte, wo wir es gerade wünschen. Das Lineal und das Dreieck wird vor 3500 Jahren schon vorhanden gewesen sein, aber die präzise Landkarte hat mit Sicherheit gefehlt.
Abu Simbel hat aber noch eine Besonderheit. Der Tempel wurde in den Fels getrieben! Und diese Art des Bauens ermöglichte keine nachträglichen Veränderungen und Korrekturen der Ausrichtung. Die exakte Ausrichtung der Achse von „ganz hinten“ bis vor zum Eingangsportal (etwa 60 Meter) und dann weiter zur aufgehenden Sonne muss anfänglich schon vorgegeben gewesen sein.Ägypten. Der Süden. Begünstigte Klimazonen in welchen ein bedeckter Himmel und Regen eher die Ausnahme sind. Die Beobachtungen des Himmels, egal ob am Tag oder in der Nacht waren wohl fast immer möglich. Sollte es aber trotzdem einmal nicht möglich gewesen sein eine bestimmte Konstellation zu beobachten, so war die Wahrscheinlichkeit, diese im nächsten Jahr aber dann doch wieder nachholen zu können, sehr wahrscheinlich.

Man kennt aber sehr viele Hügelgräber im Norden, die ebenfalls solche „Sonnen-Ausrichtungen“ haben. Ob an der Bretonischen Küste Frankreichs, in Irland, Schottland, Norwegen oder Schweden. Überall gibt es sie und tragen zum Teil klingende Namen. Schlechtwetterfronten brausen mächtig über die nördlichen Lande. Oft ist tagelang vom Himmel nichts zu sehen. Keine Sonne, kein Mond, keine Sterne. Die Beobachtungsreihen mussten sehr lückenhaft gewesen sein!

Newgrange | 2004©G.Hufler
Newgrange |
2004©G.Hufler

Bereits im Jahr 1699 entdeckte man die Anlage von Newgrange in Irland. Nördlich von Dublin und westlich von Drogheda liegen an den Ufern des Flusses Boyne sanfte, üppig mit Gras und Buschland bewachsene Flächen. Einer dieser Hügel barg ein besonderes Geheimnis. Durch Zufall entdeckte ein Farmer beim Zusammentragen von Steinen diesen doch nicht so natürlichen Hügel. Es stellte sich heraus, dass es sich um eine Megalithanlage aus der Zeit um 3200 vor unserer Zeitrechnung handelt. Natürliche Erosion und Ansiedlung von Pflanzen haben diesen Hügel über die Jahrhunderte, ja Jahrtausende in seine Umgebung so integriert, dass er sich von der umgebenden Landschaft nicht mehr abhob. Aber erst 1962 begann man tatsächlich mit systemaitschen Erforschungen und der Restauration.
Wenn man von einem Megalithbau sprechen kann, so unterscheidet er sich aber doch nicht unerheblich von anderen seiner Art. Brachte man die einigermaßen kreisrunde Basis zustande (das schafften die Megalithiker aber auch mit Steinsetzungen wie z.B. Stonehenge), so waren sie offensichtlich nicht in der Lage, eine annähernd gerade Linie zu ziehen. Am Ende des Ganges wurden seitliche 2 Kammern ausgebildet, deren Tiefe auch nicht symetrisch ist.

Newgrange, Eingang | 2004©G.Hufler
Newgrange, Eingang |
2004©G.Hufler

Glaubt man den Archäologen, so wurde der Gang und die Seitenkammern in „Tagbauweise“ errichtet. Erst als die Boden- und Seitensteine verlegt und gesetzt waren kamen die Decksteine und Schieferplatten. Die Tatsache, dass diese Decke auch heute noch nahezu wasserunduchlässig ist wird als großartige, baumeisterische Leistung dargestellt. Wenn man sich aber den Querschnitt der Anlage anschaut so bin ich der Meinung, dass die Erbauer einfach nur „unendlich“ viele Steinplatten aufeinanderschichteten um letztendlich dem Wasser keine Chance mehr zu lassen. Dieses ganze Bauwerk wurde dann mit Erde überhäuft. Es war offensichtlich von Anfang an geplant, dass der Hügel be- oder verwachsen durfte. Warum schafften sie keinen geraden Gang? Die Materialien wären ja vorhanden gewesen!
Aber die wesentlich Frage lautet auch hier: Wie war es möglich, den Gang so auszurichten, dass angeblich zur Wintersonnenwende (21. Dezember) die Sonnenstrahlen bis ans Ende des Ganges reichten. Dem müssten jahre- ja jahrzehntelange Beobachtungen an Ort und Stelle vorangegangen sein. Wie viele Winter zogen da ins Land, damit man nur annähernd eine sichere Peilung vornehmen konnte. Und dann musste genau an diesem Ort gebaut werden. 100 Meter weiter nördlich und die Peilungen hätten schon wieder nicht gepasst!
Auch die Behauptung, dass die Sonnenstrahlen, soferne die Sonne überhaupt schien, genau um die Wintersonnenwende das hinterste Ende des Ganges erreichten, ist meiner Meinung reine Spekulation. 5400 Jahre nach der Errichtung sollte die Kreiselbewegung der Präzession den Sonnenstand zu dieser Jahreszeit bereits so verschoben haben, dass man das Schauspiel bei der Entdeckung der Anlage gar nicht mehr sehen bzw. erkennen konnte.

Newgrange, Eingang | 2004©G.Hufler
Newgrange, Eingang |
2004©G.Hufler

Vielleicht konnten gevievte Mathematiker dies „zurückrechnen“. Davon ließt man aber nichts. Vielmehr wird dieses „Spektakel“ bei Besichtigungen mit einer künstlichen Lichtquelle nachgestellt und alle Besucher sind entzückt bei dieser Vorstellung. Dem touristischen Besucher ist es in der Regel sowieso egal. Hauptsache ein paar Fotos und ein Eintrag im Reisetagebuch. Dieser Punkt der Erde kann abgehakt werden.
Total im Unklaren ist aber, wofür dies die Megalithiker gemacht hätten. Es herrschte tiefste Steinzeit, die Naturgeister beherrschten die mythische Szene. War es das Grab eines Stammesfürsten und seiner Angehörigen? War es eine Art Tempel, in welchem man den Naturgeistern opferte? Dass 1967 im Inneren fünf menschliche Skelette gefunden wurden deutet aber wohl primär auf eine Grabanlage hin.
Und wenn nun die Darstellung der Sonnenstrahlen zur Wintersonnenwende tatsächlich stimmen sollte stellt sich wieder einmal die Frage: Wofür? Was sollte diese Schauspiel bewirken? Da uns von Religionen aus dieser Zeit im Norden Europas wohl kaum etwas bekannt ist, lässt sich leicht spekulieren!
Und weil wir schon gerade so schön beim Spekulieren sind. Auch an der Rekonstruktion wie wir sie heute vorfinden wird sehr viel Kritik geübt. Es wird stark angezweifelt, dass das Äußere der Anlage sich so präsentiert hatte. Vor allem diese steilen, aufgeschichteten Wände dürften nicht der Realität entsprechen. Die Rekonstrukteure schafften diese Steilheit nur, weil sie dahinter Betonmauern setzten. Und ob tatsächlich so viele Quarzsteine verbaut waren ist nicht bekannt. Im Umkreis wurden zwar deratige Steinbrocken gefunden, aber bei weitem nicht so viele, dass man auf dieses Erscheinungsbild schließen hätte können. Und: Ob es die obere Öffnung beim Eingang überhaupt gegeben hat ist auch ungewiss. Bilder um etwa 1900 n. Chr. lassen diesen Schluss nicht unbedingt zu.

Diese Anlage wird ihr Geheimnis wohl für immer für sich behalten. Man wird wohl nie erfahren, wer sie errichtet hat und für wen – und wie man diese angebliche Ausrichtung auf die Sonne um die Wintersonnenwende schaffte. Eines kann man sich aber sehr sicher sein. Ein Kalendereintrag war es nicht. Wofür hätte er genützt? Was hätte in der Landwirtschaft der Wissensstand gebracht, dass nun die Tage wieder länger werden? Landwirtschaft konnte noch auf Monate hinaus nicht betrieben werden.

01/2015©Guntram Hufler