Die Lüge der IV (Industriellen-Vereinigung)

Wir schreiben den 25. Oktober 2013. Es ist die Zeit, in welcher sich die beiden Parteien SPÖ und ÖVP bemühen, wieder eine tragfähige Regierungskoalition für die nächsten Jahre zusammenzuschmieden.
Dass in den letzten Jahren nicht alles rund gelaufen ist erkannte wohl Jede(r). Ab muss man deshalb gleich pauschal über alle Politiker drüberfahren und sie als „Nichtsnutzte“, sowieso grundsätzlich „korrupt“ ja sogar als „Idioten“ bezeichnet und beschimpft?
Ein schon sehr altes Sprichwort sagt: Geld regiert die Welt!
Und das ist heute in der so materialistisch gewordenen Zeit wohl noch viel richtiger als vor 50 Jahren.

Wer das Geschehen in unserer Republik, ja in Europa und der ganzen industrialisierten Welt beobachtet und verfolgt muss aber feststellen, dass der „Politik“, also den politisch Handelnden, immer mehr die Zügel durch geldmächtige Lobbies aus der Hand genommen werden.
Eine dieser geldmächtigen Lobbies ist die so genannte Industriellenvereinigung Österreichs!
Da sitzen die Geschäftsführer und Direktoren der größten, österreichischen Unternehmungen beisammen und denken darüber nach, wie sie ihr eigenes Einkommen (Fixgehalt und Bonifikationen) noch weiter steigern können. Sie haben in der Regel wenig Fachwissen zu den Produkten, welche ihre Unternehmungen erzeugen, sie wissen aber ganz genau, wie man die Arbeitnehmer noch mehr ausquetschen kann und wie man Aufsichtsräte (sprich Vertreter der Unternehmenseigentümer) dazu bringen kann, ihnen noch mehr zu geben. Und in den Aufsichtsräten dieser Gesellschaften sitzen auch leider viel zu oft Personen, die genauso wenig Fachwissen haben und daher den Vorständen einfach glauben müssen.
Wozu Österreichs Industriellenvereinigung fähig ist hat sie vor etlichen Jahren bewiesen, als sie einem zweifelhaften Finanzminister mit dem Kürzel KHG eine persönliche Homepage bezahlte. Kostenpunkt angeblich Euro 200.000,–. Wozu macht man das? Das ist doch kein Freundschaftsdienst hinter welchem keine Absicht steht, Nutzen daraus zu ziehen! Das waren Gelder, welche Österreichs Industriebetrieb „steuerfrei“ als „Beiträge an Interessensgemeinschaften“ bezahlten um dann dem damals sehr umtriebigen Finanzminister ein Geschenk zu machen!
Ein Schelm, der Schlechtes denkt!

Heute sehe ich in allen größeren österreichischen Tageszeitungen Werbung der IV (Industriellen-Vereinigung) in welcher die kernige Aussage steht:
‚Runter mit der Steuerlast auf Arbeit‘ und dann könnten damit in Österreich bis zu 100.000 Arbeitsplätze geschaffen werden!
Da frag ich mich schon, welche Logik dem zugrunde liegen soll? Wenn die IV von Steuerentlastung spricht, meint sie damit ihre Mitgliedsbetriebe. Da geht es nicht um das Nettoeinkommen der Arbeitnehmer!
Die Unternehmungen sollen also weniger Arbeitgeber-Beiträge leisten müssen. Damit bliebe den Unternehmungen unterm Strich mehr Gewinn über. Mehr Gewinn ist aber in der Regel gleichbedeutend mit mehr Bonus für das Management! Logisch! – Das heißt also, dass die Manager wieder in den Aufsichtsräten antanzen können und diesen noch mehr Bonuszahlungen abverlangen können, weil sie doch so erfolgreich sind.
Und was haben die Arbeitneher davon? Und vor allem: warum soll es deshalb mehr Arbeitsplätze geben?
Keine Ahnung! Denn jeder Manager ist darum bemüht, mit so wenig Arbeitskräften wie nur irgend möglich auszukommen.
Zum Beispiel:
Ein Produktionsbetrieb schafft derzeit sein Volumen mit 200 Arbeitskräften. Wenn die Arbeitgeberbeiträge (Steuern) sinken hat sich am Produktionsvolumen noch gar nichts geändert. Warum also sollte dann zusätzlich jemand eingestellt werden?

Wer logisch und rational denkt wird erkennen, dass Steuerentlastungen nicht auf Arbeitgeberseite sondern auf Arbeitnehmerseite erfolgen müssen. Unselbständiges Erwerbseinkommen muss mit weniger Steuern behaftet werden. Den großen Unternehmungen werden sowieso laufend Einkommenssteuerzuckerl zugeworfen (siehe Körperschaftssteuer), die Masse der unselbständig Erwerbstätigen darf das mitfinanzieren.

Wie sehr die IV trickst erkennt man auch derzeit bei den Metaller-Kollektivvertragsverhandlungen. Es geht ihnen gar nicht darum, ob sie 3,6%, 3% oder 2,4% an Lohnerhöhung bezahlen. Es geht ihnen einzig darum, das bestehende Personal noch mehr ausquetschen zu können. Wenn nun Arbeitsleistungen über die geregelte Wochenarbeitszeit hinaus nicht mehr als Überstunden bezahlt werden müssten, würde dies unterm Strich wieder weniger Lohnkosten und mehr Gewinn bedeuten – gleichbedeutend mit mehr Bonus für die Direktoren!

KEIN Unternehmen stellt irgend jemanden ein, wenn nicht dabei ein zusätzlicher Gewinn für das Unternehmen herausschaut! Eingestellt wird, wenn sich die Auftragslage nachhaltig verbessert und wenn sichergestellt ist, dass sich mit jedem zusätzlichen Arbeitnehmer auch gleichzeit der Betriebserfolg des Unternehmens erhöht!
Also Schluss mit der LÜGE, dass sinkende Arbeitgeberbeiträge zusätzliche Arbeitsplätze schafft!!
NUR höhere Einkommen der unselbständig Erwerbstätigen schaffen zusätzliche Nachfrage nach Produkten aller Art und können so die Initialzündung zu mehr Produktion darstellen!

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