Amerika’s Besiedelung doch von Süd nach Nord?

Mit großem Interesse las ich den Bericht über neue Überlegungen, welche Genetiker bezüglich der Besiedelung des amerikanischen Doppelkontinents anstellten.

Demnach wies der Forscher David Reich (Harvard-Universität) mit Hilfe genetischer Vergleiche nach, dass es zumindest zwei Populationen gegeben haben musste von denen „die heutigen, indigenen Völker Mittel- und Südamerikas abstammen“. Eine weitere Kernaussage dieser Studie ist, dass in den Genomen von Vertretern einiger Amazonas-Völker überraschend eindeutige Übereinstimmungen mit einigen Ureinwohnern Ozeaniens gegeben sind!

Wow!

Es wäre verwunderlich, wenn man schon bereit wäre, die uralte These, dass die Hauptbesiedelung über die Bering-Straße erfolgt sei, über Bord geworfen würde. Es kann einfach nicht sein, was nicht sein darf.

Den „primitiven“ Völkern ist einfach nichts anderes zuzutrauen, als sich über eine zugefrorene Verbindung aus dem asiatischen Raum hoch im Norden, weit über dem Polarkreis, auf den Weg nach Nordamerika gemacht zu haben.

Alleine diese Überlegung bedarf größter Phantasie, denn die „Wandernden“ konnten sicherlich nicht in großen Gruppen unterwegs gewesen sein. Eine Gruppe mit Frauen, schwachen Kindern, eventuell auch Kranken ist nahezu undenkbar. Ewiges Eis! Kaum Nahrungsmittel! Keine Ahnung, wie lange eine solche Wanderung dauern könnte!

Und auch die Frage: warum sollten sie sich diese beschwerliche Wanderung antun? Waren die Lebensbedingungen im nördlichen Zentralasien so schlecht? Konnte sich diese geringe Bevölkerungszahl dort nicht ausbreiten und ernähren? Sich akzeptable Lebensbedingungen schaffen?

Ich kann diesen Schlussfolgerungen nicht so einfach das Wort reden. Wer begibt sich schon freiwillig in derart lebensbedrohlichen Gegenden?

Keine Frage! Jäger und Fischer werden schon weit herumgekommen sein. Vereinzelt wohl auch auf die „amerikanische Seite“. Aber daraus einen Besiedelungsstrom abzuleiten ist sehr einfach gedacht, ja fast schon primitiv, zudem ja auch kein Wanderungsdruck erkennbar ist. Die asiatischen Gegenden waren dünn besiedelt. Sippen oder Völker lebten nicht wirklich auf beengtem Raum. Und warum sollten sie dann auch noch ausgerechnet nach Norden ziehen. Die Lebensbedingungen wurden da rasch deutlich schlechter.

 

Aber zurück zu der neuen Studie.

Die genetischen Erkenntnisse sind kaum anzuzweifeln. Zu ausgreift ist bereits diese Technologie.

So erinnerte ich mich, dass ich einmal das Buch „ Kásskara und die sieben Welten“ von J.F. Blumrich las. Er war zu seiner Zeit ein führender NASA-Ingenieur und beschäftigte sich nicht nur mit den Legenden der HOPI-Indianer.

 

Sehr vereinfacht ausgedrückt hört man aus den Überlieferungen der Hopi-Indianer Nordamerikas, dass sie ursprünglich aus Ozeanien – also näher Australien als Südamerka – kamen. Sie erzählen, dass ihre damalige Lebenswelt dem Untergang geweiht war. Das Land (die Inseln) versank im Meer und ihre göttlichen Lehrmeister, die Kachinas, flogen auf ihren Schildern Richtung Osten, um neues Land auszuforschen. Sie stießen dabei auf den sich gerade erst aus dem Meer erhebenden, südamerikanischen Kontinent.

Die Kachinas waren den Menschen in allen Belangen überlegen. Sie waren keine „herrschenden Götter“. Sie waren Lehrmeister und  Ratgeber. Sie trachteten danach, dass ihre Schützlinge einmal Erlerntes behielten und sich weiter entwickelten.

So leiteten sie die „Clans“ dieser Bevölkerung quer über den Pazifischen Ozean. Ein wahrer Massenexodus. Aber er war wahrscheinlich in dieser Eile erforderlich, denn der Untergang der Landmassen in Ozeanien ging rasch vonstatten.

Das neue Land war aber noch nicht wirklich gut bewohnbar. Trotzdem folgte man den Kachinas in blindem Vertrauen. Das neue Land war wüst, leer und es regnete Asche vom Himmel (Vulkanismus?). Aber irgendwann brach die Sonne hervor und die neuen Bewohner nannten nun das Land Táotoóma. Auch da hatten die Kachinas bereits vorausgedacht. Man brachte Pflanzen (wahrscheinlich auch Tiere) mit und so konnte auch gleich mit dem Ackerbau und der Versorgung begonnen werden. Die Hopi berichten, dass es Mais war und diese Pflanze ist in ganz Südamerika auch heute noch allgegenwärtig.

Die Hopi und Blumrich sind sich einig: Zur Hauptstadt des Landes Táotoóma wurde Tiahuanaco. Das Zentrum um den Großen See. Noch heute steht die staunende Welt vor dessen Ruinen und hat keine Vorstellung, wie derart ausgefeilte Architektur und Steinbehandlung aus dem Nichts hier entstehen und angewandt werden konnte. Mit Hilfe dieser alten Überlieferungen der Hopi (aber auch der Quiché-Maya) hätte man aber diesen Anhaltspunkt der verständlich macht, wie aus dem Nichts eine kulturelle Höchstleistung erbracht werden konnte. Die „Auswanderer“, aber insbesondere ihre Lehrmeister hatten ja wegen der Übersiedelung nicht ihre Fähigkeiten verloren! – Und die Hopi-Überlieferung erzählt, dass die Stadt Táotoóma in nur einer Nacht von den Lehrmeistern auf den fliegenden Schilden, den Kachinas erbaut wurde.

Folgt man den Hopi-Ausführungen und auch den Schlussfolgerungen Blumrichs so musste infolge neuerlicher, geologischer Umwälzungen auch das Land um Tiahuanaco fluchtartig verlassen werden. Was muss geschehen sein, dass eine plötzliche Flut die ganze Stadt  „auf den Kopf stellte und im Boden versenkte“?

Da geschah etwas Unvorhersehbares dem auch die Kachinas nichts entgegen zu setzen hatten. War das das Ende der „Macht“ der Kachinas? War der Glaube an sie so erschüttert?

Ein Teil der Bevölkerung wird sicherlich so gedacht haben. Es gab aber weiter Clans, die dem Rat der Kachinas vertrauten. Diese machten sich auf Wanderschaft in Richtung Norden.

Dass der Zug von Süd nach Nord erfolgte ist anhand der sich nun entwickelnden (und wieder untergehenden) Kulturen mit ihren Zentren gut nachvollziehbar.

Möglich, dass die Kachinas mit dem Palátquapi der Hopi (und dem Palenque der heutigen Archäologie) einen letzten Versuch starteten, die herumziehenden Clans und Völker zu einen und wieder auf „die Reihe“ zu bringen. Im Laufe von Jahrhunderten bauten sich neue Spannungen unter den Gruppen auf – ein ewig menschliches Problem. Als auch dieser Versuch scheiterte, zogen sich die Kachinas endgültig zurück: „Dies ist des Menschen Welt, es ist seine Verantwortung und er kann seine eigenen Absichten verfolgen.“

Nach der Palenque-Periode treten die Kachinas physisch nicht mehr in Erscheinung. Sie leben aber in den Überlieferungen weiter.

Die Wanderung der Clans in Richtung Norden ging weiter. Hatten sie doch den Auftrag der Kachinas sich erst dann sesshaft zu machen, wenn sie in alle Himmelsrichtung „bis ans Ende“ gewandert waren. So konnte man sich offensichtlich den günstigsten Platz aussuchen. So wissen die Hopi auch noch, dass sie im Norden an eine Wand aus Eis gestoßen waren und von dort auch wieder südwärts zogen.

 

Die heutige Wissenschaft bestätigt nur zögerlich die Überlieferung der „Indianer“, weil man einfach an einem Kartenhaus nicht allzu heftig rütteln kann und darf.

Viele „Erkenntnisse“ der menschlichen Entwicklungsgeschichte sind dermaßen schwach untermauert oder oftmals auch gar nicht schlüssig!

Würde man den Überlieferungen der HOPI diese Bedeutung geben, die ihr eigentlich zustehen müsste, hätte man kein Problem endlich anzuerkennen, dass die Besiedelung der amerikanischen Kontinente von Süd nach Nord erfolgte. Eine flächendeckende Besiedelung über den Norden – also die Bering-Straße – ist unlogisch und einfach nicht vorstellbar und realistisch.

 

Mit der Studie des Harvard-Professors David Reich wird eine neue Türe aufgestoßen. Noch zögerlich, um vielleicht alte Wissenschaftskollegen nicht ganz vor den Kopf zu stoßen.

Aber alleine schon die Tatsache, dass es nun einen wissenschaftlichen Nachweis gibt, der die genetische Nähe zwischen Völkern Ozeaniens und Südamerikas bestätigt verstärkt die Glaubwürdigkeit der „Geschichte der HOPI“.

 

Quellen:

J.F. Blumrich; Kásskara und die sieben Welten

21.07.2015; Der Standard online