Traue keiner Statistik …

… die du nicht selbst „gefälscht“ hast! Flapsig – aber gar nicht so falsch!

Wir erleben es fast täglich, dass irgendwelche Statistiken aus dem Hut gezaubert werden und aus welchen meist nur das Positive herausgelesen wird.

Statistik Austria! Das klingt so unparteiisch, so neutral, so selbstlos – und es ist alles Andere als das.

Statistik Austria ist zum Sprachrohr der Wirtschaft geworden. Jeder der Geld hat, kann sich hier jede Statistik „bestellen“, die seinem Vorteil nützt.

Die Bundesanstalt für Statistik Österreich ist zwar ein so genannter Staatsbetrieb, muss aber für Dienstleistungen an die Wirtschaft ihren Aufwand großteils selbst erwirtschaften. Das macht abhängig!

Jede Statistik kann die Ergebnisse liefern, die man haben möchte. Man muss sie nur mit den „richtigen“ Zahlen füttern. Da geht es gar nicht darum, dass man falsche Zahlen verwendet, es genügt auch, wenn man einige (unbequeme) weglässt oder einfach auch Äpfel mit Birnen zu vergleichen beginnt.

So auch diese Statistik über Lebenszufriedenheit, negative Entwicklung der Einkommen und Konsum. Man musste also etwas der statistischen Aussage, dass die Österreicherinnen und Österreicher immer mehr für weniger Geld arbeiten müssen, entgegenstellen. Gefunden! Eine Umfrage (was die wert sind weiß man wohl nach den US-Wahlen zu beurteilen), die aber gleichzeitig aussagt, dass die Österreicherinnen und Österreicher trotzdem relativ zufrieden sind. Ist doch schön!? Nur, dass das Eine harte Fakten (weil mit Zahlen belegbar) sind und das Andere eben nur eine Umfrage mit Hochrechnung ist.

Da wird berichtet, dass das durchschnittliche, frei verfügbare, jährliche Haushaltseinkommen in Österreich bei etwas mehr als 22.000 Euro und das der EU-Durchschnitt bei etwa 13.500 liegt. Da muss man doch den Eindruck haben, dass wir Österreicherinnen und Österreicher tatsächlich wie die Maden im Speck leben. Man hat aber bewusst die gesamte EU zum Vergleich herangezogen und nicht jene EU, die es VOR der Osterweiterung 2004 und 2007 gegeben hat.

Jedermann (-frau) weiß, dass die Einkommen in Rumänien, Bulgarien, Litauen, Estland, ja auch Polen, Tschechien, Slowakei oder Ungarn zum Teil nicht einmal ein Drittel der „westlichen“ Einkommen ausmachen und trotzdem werden sie uns vor die Nase gehalten, damit ja keine Erwartungen aufkommen.

Wem nützt das? Natürlich NUR der Heuschreckenwirtschaft – nicht zu vergleichen mit dem kleinen Tischler, Maler, Schlosser oder Gastwirt.

Das kapitalistische, sich vermeintlich selbst regulierende Wirtschaftssystem ist am Ende. Diese Wirtschaft führt sich selber in den Abgrund.

Es wird gejammert, dass der Konsum rückläufig ist und findet die Schuldigen in der Politik. Mir klingt der unglaubliche Satz des Herrn Leitl noch immer im Ohr: „Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut!“ Man kapiert immer noch nicht, dass man dem Konsumenten ausreichend „frei verfügbares“ Kapital geben muss, damit er auch entsprechend konsumieren kann.

Der Wirtschaft im Gesamten geht es gut, ja sogar sehr gut. Aber bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern kommt diese Entwicklung nicht an. Die Ertragsoptimierer gehen sogar schamlos so weit, dass sie ihre Gewinne nicht einmal mehr dort versteuern, wo sie anfallen sondern in einem Globalisierungsreigen rund um die Welt schicken.

Gleichzeitig werden aber Sozialleistungen eingefordert (Bildung, Gesundheit, Infrastruktur, ja sogar Forschung) und will für Exporte immer noch mehr Förderungen, obwohl genau dieses System weltweit wohl den größten Schaden angerichtet hat. Überbordende Exportförderungen setzen weltweit eine negative Lohnspirale in gang.

Österreichs Wirtschaft wäre dazu da, die heimische Bevölkerung sowohl mit Arbeit als auch mit Produkten zu versorgen. Auch damit lässt sich Geld verdienen – nur halt nicht so schnell (das Land ist austauschbar!).

So werden Produktionen aufgeblasen, Mengen an Produkten geschaffen, die im eigenen Land gar nicht mehr zu verkaufen sind  und auch das Ausland nicht braucht, weil es auch selber solche Produkte erzeugt. Um diese Überproduktionen aber überhaupt zu schaffen, mussten viele ausländische Arbeitskräfte ins Land geholt werden und der Politik wurde die Rute ins Fenster gestellt, viele dieser Arbeitskräfte auf die Straße zu stellen, falls es keine Fördermaßnahmen gibt.

Das nenne ich: doppelt kassieren!

Zum einen werden kaum mehr Steuern geleistet und zum anderen will man aber alles aus dem (leeren) Steuertopf.

Anstelle ehrliche Löhne zu bezahlen zwingt man Regierungen, niedere Einkommen überhaupt steuerfrei zu stellen, um wenigsten ein bisschen noch für den Konsum aufrecht zu erhalten. Diesen „Konsumzuschlag“ zu erzeugen wäre eigentlich die Aufgabe der Wirtschaft. Mehr Lohn, mehr Gehalt schaffen mehr Konsum. So einfach wäre das!

Auch das Krank- und zu Tode Jammern des Pensionssystem kommt aus der Wirtschaft. Zum einen ist es die Finanzwirtschaft, die sich ein „kapitalgedecktes“ System wünscht, weil man damit viel Geld verdienen kann, zum anderen erkennt die Wirtschaft aber auch, dass ihre nicht mehr geleisteten Steuern dem Staat fehlen, um das einst in einer sozialen Partnerschaft entwickelte System aufrecht zu erhalten.

Ich möchte heute kein steuernder Politiker sein. Man ist nur mehr eine Marionette der globalen Wirtschaft und darf das nicht einmal mehr laut sagen.

Nicht die Kosten einer immer wieder heraufbeschworenen Übersozialisierung sind unser Problem. Unsere Probleme schaffen die Heuschrecken, die Rosinenpicker und jene, die auch die Medien am Gängelband führen. Aber das ist ein anderes Thema. Nur so viel zum Nachdenken: wovon leben die Medien? Richtig! Von den Werbeeinnahmen aus der Wirtschaft. Man wird wohl nicht die Hand beißen, die einen füttert!

Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung ist riesengroße. In Ermangelung einer neutralen Berichterstattung und Analyse wird – wirtschaftsgesteuert – medial die Schuld am „aufgeblähten“ Sozialsystem festgemacht. Würde ein Blatt diese Wahrheit schreiben, wäre es bald die Werbeeinnahmen aus den Inseraten der Wirtschaft los.

So haben es auch die Rechtspopulisten leicht, auf diesen Zug aufzuspringen. Aber diese „einfachen Lösungen“ gibt es nicht. Auch die Rechten werden es sich nicht mit „der Wirtschaft“ verscherzen. Da ist es schon viel einfacher, dem schwächsten Glied der Gesellschaft die Schuld in die Schuhe zu schieben. Diese haben keine finanzstarke Lobby, die ständig in den Machtzentralen am Teppich steht und mit Druck die eigenen Vorstellungen durchzusetzen vermag.