Saalfelden – Mietbeihilfe im gewerblichen Bereich

Als ich dies zum ersten Mal las, konnte ich es nicht wirklich glauben. Ich dachte, dass es eben eine (ÖVP-)politische Idee wäre, aus einem „Allgemeinsäckel“ wieder etwas herauszuziehen. Ich dachte aber auch, dass die anderen Fraktionen dem etwas entgegenzustellen hätten.

Grundsätzlich muss ich aber auch sagen, dass es für eine Ort nicht gut ist, wenn zu viele Geschäftslokale leer stehen. Das erzeugt einen negativen Folgeeffekt.

Aber hat sich schon einmal jemand jemals gefragt, WARUM diese Lokale leer stehen? Woran liegt es, dass diese nicht vermietbar sind? Woran liegt es, dass junge Gewerbetreibende sehr rasch wieder das sprichwörtliche Handtuch werfen bzw. auch werfen müssen?

Ich kann sehr viele Gründe ausmachen. Von wirklich schlechter Lage (verkehrstechnisch) bis wirklich schlechter Ausstattung, von wirklich ungünstigen Lokallgrößen aber insbesondere von wirklich zu hohen Mieten. Es gäbe noch einige mehr.

Als Außenstehender hat man wenig Verständnis, wenn man hört, dass es Lokalbesitzer gibt, die potenzielle Geschäftslokale lieber brach liegen lassen bevor sie sie zu etwas günstiger Kondition vermieten würden. Zumindest habe ich eine persönliche Erfahrung, dass ein alter Gewerbetreibender, der in Pension ging und sein Lokal weiter verpachten wollte, als jährlichen Pacht mehr verlangen wollte, als er selber in den letzten Jahren seiner Geschäftstätigkeit Gewinn erzielte.

Schon alleine diese Logik lässt mich erschauern und macht mich bezüglich dieses Themas noch sensibler.

Saalfelden ist die drittgrößte Stadt des Landes Salzburg, hat aber bei weitem nicht diese Position in puncto Kaufkraft. Saalfelden ist eine Auspendlergemeinde deren Einwohner dadurch sehr viel eigenes Geld in die Mobilität stecken müssen, um an einen Arbeitsplatz zu gelangen. Da geht viel Kaufkraft verloren.

Saalfelden hat zum Beispiel eine HTL, deren Absolventen nach dem Abschluss hochqualifiziert auf den Arbeitsmarkt drängen, aber in der eigenen Stadt kaum eine Möglichkeit auf einen der Ausbildung entsprechenden Arbeitsplatz haben.

Das wäre wohl eine der vordringlichsten Aufgaben einer Gemeinde, Anreize zu schaffen, dass sich industrielle Betriebe im Raum ansiedeln, um nicht die eigene Jugend aus der Stadt zu treiben. Da wäre ich auch der Meinung, dass die Gemeinde dafür Geld in die Hand nehmen sollte – direkt oder indirekt. Aber so „primitive“ Vereinbarungen wie: man gewährt für die ersten 10 Jahre Kommunalsteuerbefreiung und das war es, wird es nicht zu machen sein. Wohin das führt hat man im ehemaligen Ostdeutschland gesehen. Mit solchen „Zuckerln“ holte man sich Unternehmungen die dann genau diese 10 Jahre bleiben, um dann wieder Industrieruinen zurückzulassen.

Ein Zusammenhang mit der aktuellen, rechtsradikalen Stimmung in diesen Bundesländern ist eindeutig auszumachen.

Zurück zu den Geschäftslokal-Mietbeihilfen.

Also! Unsere Lokalbesitzer glauben wirklich, in einem wirtschaftlichen Umfeld zu leben, die jede Höhe einer Miete aushält. Sie sind offensichtlich alle selber wirtschaftlich so abgesichert und ausgestattet, dass sie auf Mieteinnahmen nicht angewiesen sind. Es herrscht also die Meinung vor: entweder zu meinen Bedingungen oder gar nicht!

Fast alle Lokale in der Innenstadt eignen sich aber wohl nur für Handels- oder Gastronomiebetriebe und die sind von der Kaufkraft einer Region abhängig. Zudem setzt vielen Handelsbetrieben auch noch der immer rasanter steigende Online-Handel zu, weshalb der Kuchen auch noch kleiner wird.

Für mich ergeben sich also drei Hauptgründe, weshalb immer mehr Geschäftslokale keinen Mieter mehr finden. Zu hohe Mieten, eine zu geringe Kaufkraft in der Region und das veränderte Kaufverhalten der Konsumenten sind ein Mix, dem – so scheint es – nicht zu entrinnen ist!

Oder doch?

Mit Mietbeihilfen auf Lokalmieten fördert man aber die „Falschen“. Es ist – so wie bei der unsäglichen Salzburger Wohnbauförderung (Anfang der 1990er Jahre von der ÖVP durchgesetzt) – eine Vermieter-Förderung (Wohnbauträger-Förderung). Öffentliche Gelder werden in privaten (Unternehmer-)Taschen verschwinden und den gewünschten Effekt nicht erzielen.

Es ist ein sehr einfacher Weg, aber sicher nicht der Idee entsprechend, jungen Lokalmietern ein Überleben zu sichern.

Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass alle Geschäftsideen „überlebensfähig“ sind. Es gibt auch genügend „Jungunternehmer“, die auch das sprichwörtliche Zeug nicht dazu haben, auf selbständiger Basis etwas aufzubauen.

Auch in den USA gehen und gingen viele Ideen den Bach runter. Aber da wenigstens nicht mit öffentlichen Geldern. Dort beteiligen sich so genannte Business-Angels mit Kapital an der Umsetzung von Ideen. Geht es auf, so ist man künftig an einem ertragreichen Unternehmen beteiligt und lukriert Gewinne. Geht es schief, hat man halt (privates) Geld eingesetzt und verloren.

Auch das wäre ein Ansatz für „unsere“ Vermieter.

Verlangt Miete und gebt einen Teil davon als Beteiligung an dem neuen Geschäft wieder zurück. So werdet ihr aber auch persönlich Interesse daran haben, dass euer Mieter auf Dauer sein Geschäft führen kann. Nur risikiolos kassieren zu wollen ist ein Weg, der mir beträchtlich aufstößt.

Unterstützt eure Mieter und seid deren Business-Angels; und geht nicht den umgekehrten Weg, indem ihr sie mit überhöhten Mietforderungen an die Wand stellt.

Wenn sich aber die Gemeinde schon bemüßigt fühlt, einen Beitrag leisten zu müssen (sollen), warum dann nur für einige Wenige? Ich habe kein Problem damit, wenn in der Gemeindestube Budgetmittel zu Ankurbelung der Wirtschaft locker gemacht werden. Aber dann doch nicht so punktuell und eigentlich das Pferd von hinten aufzäumend. So wie es jetzt ausschaut fördert man die Vermieter!

Saalfelden hat rund 7400 Haushalte. Was wäre, wenn Saalfelden zur Stärkung der Kaufkraft in der Stadt, jedem Haushalt einen bestimmten Betrag ‚X‘ geben würde. Zum Beispiel 10 Euro pro Haushalt würde im Jahr 74.000 Euro ausmachen. Diese in Form von Saalfelden-Gutscheinen, nur einlösbar in Saalfeldner Geschäften (Abwicklung wie Gutschein-Münzen über Stadt-Marketing).

Das wären 74.000 Euro Umsatz in Saalfelden mehr und wie man weiß, sind solche Gutscheine mit einem mehrfachen Multiplikator zu sehen. Also wahrscheinlich das Vier-, Fünf- oder Sechsfache.

Nur eine Idee! Aber damit würde man Vielen mehr helfen als nur wenigen Vermietern, die gerne überhöhte Mieten kassieren wollen.