Cheops – ein Rätsel weniger (1)

Paläo Seti steckt nicht hinter jedem Phänomen!

Große Pyramide, Gizeh | 2007©G.Hufler
Große Pyramide, Gizeh | 2007©G.Hufler

1973 erschien das Buch „Cheops – die Geheimnisse der Großen Pyramide“ von Peter Tompkins in deutscher Sprache. Peter Tompkins war aber US-Amerikaner. Er wurde 1919 in Athens (Bundesstaat Georgia) geboren und verstarb 87-jährig im Jahr 2007. Er war Kriesberichterstatter im Zweiten Weltkrieg und beschäftigte sich als Journalist mit dem Außergewöhnliche.
Die Titel seiner 3 Bücher zeigen die Richtung: „The Secret Life of Plants“ (1973), „Secrets of the Great Pyramid“ (1972) und „Mysteries of the Mexican Pyramids“ (1976). Sein zweites Buch über die Große Pyramide wurde von Herbert Drube ins Deutsche übertragen. Leider gibt es im Buch keine Quellenangaben, was naturgemäß die Überprüfung der Aussagen darin sehr erschwert.

Tompkins berichtet unter anderem von einer tatsächlichen Begebenheit auf der Spitze der Großen Pyramide:

Große Pyramide, Gizeh | 2007©G.Hufler
Große Pyramide, Gizeh | 2007©G.Hufler

„Als der aus Deutschland nach England ausgewanderte und dort geadelte Sir William Siemens einmal auf der Spitze der Cheopspyramide stand, forderte ihn einer der arabischen Führer auf, eine Hand hochzuhalten und dabei die Finger zu spreizen. Siemens streckte lediglich den Zeigefinger aus und fühlte dabei ein deutliches Prickeln darin. Als er sich anschickte, aus einer mitgebrachten Weinflasche zu trinken, verspürte er einen leichten elektrischen Schlag. Darauf feuchtete er eine Zeitung an und wickelte sie um die Flasche, um sie so zu einer Leydener Flasche zu machen. In der Tat lud sie sich zunehmend mit Elektrizität auf, und zwar nur dadurch, dass er sie über seine Kopf hochhielt. Als dann Funken aus der Weinflasche zu sprühen begannen, glaubten seine arabischen Führer an Hexerei. Einer von ihnen stürzte sich auf den Begleiter von Siemens; aber dieser richtete die Flasche auf ihn, worauf er einen so starken Schlag erhielt, dass er zu Boden sank, um dann laut schreiend die Plattform der Pyramide zu verlassen.“
Im Text weiter heißt es dann: „Solche seltsamen Erlebnisse, die ganz sachlich berichtet werden, wirken noch einigermaßen glaubhaft im Vergleich zu den phantastischen Vorstellungen, die man bei pseudowissenschaftlichen Schriftstellern oder in Science-Fiction-Romanen finden kann.“

Das klingt und klang sehr interessant und schon wirklich „merkwürdig“. Was sollte da droben auf der Spitze der Pyramide vorgehen? Welche rätselhafte Kräfte verursachten diese Erscheinung? Wieso erfährt man das gerade von der Großen Pyramide, nicht aber auch von anderen Pyramiden?
Über Wikipedia erfuhr ich sehr rasch, dass es sich bei Sir William Siemens (1823-1883) um Carl Wilhelm Siemens handelt, einem Bruder des Unternehmesgründers Werner von Siemens. Somit war also ein Zusammenhang, dass er gleich ein Experiment mit einer „Leydener Flasche“ durchführte, hergestellt. Er war Ingenieur, Naturforscher, Erfinder und Industrieller. Er nahm 1859 die britische Staatsbürgerschaft an. Aber leider findet man in diesem Artikel keinen Hinweis, dass er auch Ägypten bereist hätte und diese besagte Erscheinung erlebte.
Also hieß es weitersuchen und siehe da, ich wurde fündig. Im WEB findet man nachstehenden Artikel!
Hier wird diese „Geschichte“ aber von Werner von Siemens erzählt und klingt schon deutlich anders, als sie Tompkins in seinem Buchs zusammenfasste. Es geht eindeutig um dasselbe Phänomen und es ist wohl nicht anzunehmen, dass die beiden Brüder unabhängig voneinander dasselbe erlebt hatten. Es ist auch unwahrscheinlich, dass Werner von Siemens zwar von ihn begleitenden Ingenieuren spricht, aber nicht von seinem Bruder. Leider findet sich auch keine Jahresangabe, was aber wohl eher unbedeutend ist. Nicht unwesentlich sind aber die sonstigen Angaben zur Jahres- und Tageszeit aber vor allem, dass ein mehr oder weniger heftiger Sandstrum herrschte.

Bevor ich nun aber auf die Schilderung des Werner von Siemens eingehe, möchte ich nun auch noch den vagen Versuch unternehmen zu klären, warum Tompkins dem „Engländer“ Siemens dieser Geschichte unterjubelte und nicht bei der Wahrheit blieb. Auch ist unverständlich, dass in einer so seriös wirkende Publikation nur die „halbe Wahrheit“ erzählt wird.
Tompkins war US-amerikanischer Kriegsberichterstatter und hatte so unter den Guten und Bösen zu unterscheiden. Die Bösen waren ganz klar die Deutschen (aus Kriegssicht sowieso und unwidersprochen). Als er also sein Buch schrieb, konnte er (auf Grund seiner Lebenserfahrung) keinem Deutschen etwas Positives anhängen. Um aber doch bei der (etwas verzerrten) Wahrheit zu bleiben, holte er sich den anderen Siemens ins Boot. Der war einst so gescheit, die britische Staatsbürgerschaft anzunehmen und gehörte daher zu den Guten. Diese „Entdeckung“ dem Deutschen Werner von Siemens zuzuschreiben hätte vielleicht in seiner amerikanischen Leserschaft Irritationen ausgelöst. Aber das ist nur eine persönliche Meinung!
Was mich aber am Autor Peter Tompkins schon sehr stört ist, dass er in der Sache NICHT BEI DER WAHRHEIT blieb! Dass er eine Geschichte in einer Art erzählt, die wirklich auf ein Phänomen der Pyramide hindeutete, obwohl die Begleitumstände dies gar nicht zugelassen hätten! Sich selber mit einer Aussage wie: „Solche seltsamen Erlebnisse, die ganz sachlich berichtet werden, wirken noch einigermaßen glaubhaft im Vergleich zu den phantastischen Vorstellungen, die man bei pseudowissenschaftlichen Schriftstellern oder in Science-Fiction-Romanen finden kann“ zu mokieren, sich selber aber „reißerisch“ und am Rande der Wahrheit zu bewegen, passt einfach nicht zusammen.

Große Pyramide, Gizeh | 2007©G.Hufler
Große Pyramide, Gizeh | 2007©G.Hufler

Es war also im Frühjahr (14. April) und um 9:30 Uhr vormittags, wahrscheinlich irgendwann um 1860. Damals konnte man noch ohne lange zu fragen die Große Pyramide besteigen. Das war wahrscheinlich gar nicht so ungefährlich, da immer wieder Steine von oben herab kamen und man wohl auch eine „Route“ kennen musste, denn das Überwinden der bis zu 1,5 Meter hohen Stufen bedurfte auch eingen Geschickes.
Am „Gipfel“ angekommen war man von einer kräftigen, kühlen Windbriese umweht und von Südwesten her zog offensichtlich so etwas wie ein Sand- oder Staubsturm auf. Der Wind wurde sogar so unangenehm, dass man hinter den Steinblöcken, welche auf dem abgeplatteten Gipfel der Pyramide liegen, Schutz suchte.
Der Wüstenstaub wurde immer höher aufgewirbelte, „kroch“ die Pyramide hinauf und als er den obersten Bereich erreichte, vernahm man ein sausendes Geräusch. Siemens schrieb dieses Geräusch dem immer stärker werdenden Wind zu. Ich vermute eher, dass es sich dabei um das Schleifgeräusch handelte, welches der von unten nach oben gewehte Sand verursachte, wenn er über die Steinblöcke oder Steinblockkanten der Pyramide strich.
Als ich mich mit dem Ausdruck „Chamsin“ auseinandersetzte erfuhr ich sehr rasch, dass es sich tatsächlich um einen Staub- und Sandstrum handelt, der nicht selten im Frühjahr in Ägypten aufkommt.
Da fragte ich mich aber auch sogleich, ob diese aufgewirbelten Sandkörner, die über die Pyramide und die Köpfe der dort anwesenden Personen strichen, nicht auch zu elektrostatischen Aufladungen führen konnten.
Und dem ist wirklich so! Im Internet- „Lexikon der Georgraphie“ liest man unter Sandsturm: „Typisch für Sandstürme sind die hohe Luftelektrizität sowie die hohe elektrostatische Aufladung, …“. Damit ist aber auch ganz klar erklärt, warum man einerseits in der erhobenen Hand ein leichtes, elektrisches Kribbeln verspürte, da diese Personen damit die Luftelektrizität selber geerdet hatten. Sie fungierten quasi als ‚Blitzableiter‘. Auch dass das ‚Experiment‘ mit der Flasche so funktionierte wie es geschildert wurde, ist mit dem sehr hohen, elektrostatischen Potential erklärt bzw. erklärbar. Es funktionierte tatsächlich wie ein Kondensator, wie eine Leydener Flasche.

Dieses Phänomen hätte wahrscheinlich an jedem Platz innerhalb des Sandsturmes (Chamsin) beobachtet werden können. Dass es interessierten Beobachtern, die auch entsprechendes wissenschaftliches Verständnis hatten, genau auf der Spitze der Großen Pyramide auffiel und auch dokumentiert wurde, muss dem Zufall zugesprochen werden. Daraus aber ein unverständliches, unerklärliches, ja sogar phantastisches Phänomen der Pyramide abzuleiten wäre im 19. Jahrhundert n. Chr. noch zulässig gewesen. Aber zu Zeiten der Erstellung des Buches (1972) war der Wissensstand schon so, dass man über die elektrischen Vorgänge innerhalb eines Sand- bzw. Staubsturmes bescheid wusste und mann muss daher diese Autorenleistung sehr in Frage stellen.
Wie steht es mit allen anderen „Unerklärlichkeiten“, die in diesem Buch aufgezählt sind?
Dieses „Rätsel“ ist aber sicherlich keines mehr! Es lässt sich ganz einfach mit physikalischen Vorgängen erklären und es steckt auch nichts dahinter, was die unbekannten Erbauern dieser Pyramide als Geheimnis „eingebaut“ haben hätten können!

03/2015©Guntram Hufler